Bescheidene Häuser „com custos controlados“

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hjh
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Bescheidene Häuser „com custos controlados“

Beitrag von hjh » 21.04.2013, 18:12

In fast allen azorianischen Gemeinden fallen uns kleine Hauskomplexe auf, bei denen mehrere identische Häuser nebeneinander stehen. Im Äußern sind sie von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich. Es sind bescheidene, doch zweckmäßige Einfamilienhäuser. Seit vielen Jahren fördert die Azorenregierung solche Häuser „com custos controlados“, zu kontrollierten Kosten. Nach einem Bedürftigkeitsschlüssel werden sie den Bewerbern zum dauernden Wohnen überlassen. Da die monatlichen Mindestlöhne bei etwa 450 € liegen und die Durchschnittslöhne bei 750 €, ist es den meisten Familien nicht möglich, sich ein Einfamilienhaus zu errichten, obwohl auf den Azoren fast alle bemüht sind, im Eigentum zu wohnen. Das Foto zeigt eine Neubausiedlung in Sete Cidades, wo die meisten Bewohner auf den Pachtgrundstücken eines Großgrundbesitzers wohnen. Es sind bescheidene Häuschen aus Betonfertigteilen.
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Staatlich geförderte bescheidene Beton-Einfamilienhäuser für einkommensschwache Azorianer.

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Re: Bescheidene Häuser „com custos controlados“

Beitrag von hjh » 14.07.2013, 10:11

Nun, Mitte Juli 2013, war ich nochmals vorbeigefahren. Nichts hat sich verändert. Das Unkraut sprießt hoch.
In der Zeitung las ich kürzlich, man könne die Häuser nicht verkaufen, weil die Interessenten keine Bankkredite erhielten. Nun wolle die Regierung sie fertigstellen und dann vermieten.
Die sehr schlichten kleinen Betonhäuschen stehen dicht an dicht in Zweierreihen; insgesamt 26. Beton ist ein guter Wärmeleiter. Im Winter ist es innen kalt, im Sommer heiß. Gartenflächen fehlen. Und die braucht der ländliche Azorianer immer noch für seinen Eigenbedarf.
Ich frage mich: Hat man den Bedarf für diese Einfachhäuschen im relativ kleinen Sete Cidades vorher eruiert oder einfach drauflos gebaut? Wollen die ländlichen Azorianer wirklich so dicht gedrängt wohnen? Berufstätige Auswärtige, in der Regel arbeitet man ja in Ponta Delgada, werden wohl nicht dorthin ziehen, denn in Sete Cidades gibt es kaum Arbeitsmöglichkeiten und der Weg zur Hauptstadt ist weit und umständlich.
So wie ich das sehe, stehen die meisten Häuschen auch noch in vielen Jahren leer.
hjh

Dieter Gosdzinsky
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Re: Bescheidene Häuser „com custos controlados“

Beitrag von Dieter Gosdzinsky » 14.07.2013, 11:58

Sag mal HJS, Großgrundbesitzer, das gibt es auf den Azoren ?

Dann, wird sozialer Wohnungsbau dort gefördert ?

Dann, gibt es auf den Äzoren Wohnungsnot, also Nachfrage Nachfrage nach Wohnraum ?

Dann, was kostete mich ein Grundstück, nicht zu weit weg von Ponta, erschlossen, mit Licht und Wasser, so um die 1500 nbis 2000 m², Meersicht brauch ich nicht, die hab ich, und was kostet, pi mal Daumen der m² Wohnungsbau auf der Insel ?

Ein Sack Zemet - 25 kg ist ein Index wie hier, was mußt Du hinlegen ?

Vielleicht zieh ich ja doch noch um, ich bin ja vom Bau, das mach ich mir a gusto.


Grüß Dich

Dieter

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Re: Bescheidene Häuser „com custos controlados“

Beitrag von hjh » 14.07.2013, 12:22

Nun lieber Dieter,
wieso meinst Du, ich sei Großgrundbesitzer, wenn man auf den Azoren ein Ferienhaus hat? Ich bin nicht vom Bau und habe in den letzten Jahren auch nicht mehr gebaut. So kann ich Dir einige Deiner Fragen nicht beantworten.
Wohnungsnot gibt es hier nicht.
In Ponta Delgada, unserer leidlich prosperierenden Hauptstadt, hat man in den letzten Jahren große Neubaugebiete mit Wohnblöcken hochgezogen. Mietwohnungen gibt es dennoch wenige, der Azorianer kauft die Wohnungen darin. In der Altstadt von PDL dagegen stehen massenhaft alte Häuser leer. Wenn im Herbst Wahlen sind, werben beide Präsidentschaftskandidaten mit einer Revitalisierung der Altstadt. Will heißen: Es gibt staatliche Zuschüsse für eine Althausrenovierung.
Auch auf dem Lande gibt es massenhaft leerstehende Häuser, die auch nicht mehr dem heutigen Wohnkomfort entsprechen. Von anderen Inseln sind viele nach PDL gezogen. Oder man hat sich, auf allen Inseln, schöne neue Häuser gebaut, doch nicht solche Spielzeughäuschen wie in Sete Cidades.
Die Verkaufsschilder der Makler hängen an unzähligen Häusern, teilweise seit vielen Jahren. Verschaffe Dir einmal einen Überblick auf den Homepages der Makler, etwa A. Machado, Real Living oder ERA. Die bieten auch Baugrundstücke an.
Es ist, wie Du weißt, auch hier ein Unterschied, ob Du mit einem Unternehmer baust oder mit Hand anlegst und Dir „freie Mitarbeiter“ besorgst. Die kosten je nach Können und Leistung etwa 6 bis 10 Euro je Stunde, die Löhne sind auf den Inseln unterschiedlich.
Vielleicht kann ich Dir ja mal in Deinem neuen Azorenhaus „Guten Tag“ sagen.
hjh

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Re: Bescheidene Häuser „com custos controlados“

Beitrag von hjh » 01.08.2013, 07:39

Der berühmte Architekt Souto Moura, der mit seinen unnützen und leerstehenden Containern das Seeufer von Sete Cidades verschandelt hat, hat auch diese Häuschen erfunden bzw. verbrochen. Seit einem Jahr stehen sie so im Rohbau und niemand will sie haben. Die Bevölkerung macht sich darüber lustig und sagt, es seien Confuôes, jene dreieckigen Gestelle, auf denen Mais getrocknet wird. Den jungen Familien sind sie zu teuer, zu klein und zu hässlich, obwohl die Regierung behauptet, sie seien "von höchster Qualität". Wahrscheinlich ist damit die Betonqualität gemeint.
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Re: Bescheidene Häuser „com custos controlados“

Beitrag von hjh » 02.08.2013, 07:04

Heute lese ich in der Zeitung, dass die Regierung für 1 Million Euro 11 Rohbauten angekauft hat und nun versucht, sie zu verkaufen oder zu vermieten. Der Bau der restlichen Häuser ist vorläufig gestoppt.
hjh

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Re: Bescheidene Häuser „com custos controlados“

Beitrag von Dieter Gosdzinsky » 02.08.2013, 21:13

Das sind ja nun Rohbauten, die sehen niemals und nirgends schön aus. Ich denke, wenn das fertig ist, ist es auf jeden Fall ansehnlicher als das, was wir seinerzeit dort an der Strasse gesehen haben: Ärmliche und vernachlässigte Spitzgiebelhäuschen.
Reihenhäuser gibt es überall, mein Fall ist das nicht, aber das ist sicherlich nicht der Grund, dass das nicht so gut verkäuflich ist.
Einmal, wissen wir alle, fehlt den Interessenten das Bare, woher soll es kommen, und dann ist der Ort einfach unattraktiv, geografisch und auch von der Infrastruktur her, meine bescheidene Meinung.
Die Fehlplanung liegt wohl eher darin, dass der Bedarf nicht ausreichend erkundet wurde. Vielleicht war nur das Stück Land dort billig zu haben, oder Muschemusche. .

Die Bauqualität - so vom Foto aus gesehen, macht einen guten Eindruck.

Was macht eigentlich das leerstehende Hotel auf dem Berg bei Sete Cidades ?

Dieter

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Re: Bescheidene Häuser „com custos controlados“

Beitrag von hjh » 03.08.2013, 07:53

Zum Monte Palace am Vista do Rei: Siehe http://forum.azoren-online.com/viewtopic.php?f=10&t=822

Ich fürchte, die Beton-Rohbauten und die riesigen leerstehenden Contrainer am Seeufer werden bald unter Denkmalschutz gestellt. Denn in Wikipedia lese ich über den Architekten:
Er gilt als einer der prominentesten Vertreter zeitgenössischer portugiesischer Architektur aus den Reihen der Escola do Porto. Für sein Lebenswerk wurde er 2011 mit dem Pritzker-Preis, dem wichtigsten Architekturpreis, ausgezeichnet.
Während seines Architekturstudiums an der „Escola Superior de Belas Artes do Porto“ (ESBAP) (…) lernte Souto de Moura bei den bekannten Architekten Fernando Távora und Álvaro Siza Vieira. Während Siza – der den Pritzker-Preis 1992 erhielt – eine Weltkarriere startete, blieb Souto de Moura eher Nordportugal verhaftet, entwickelte allerdings früh einen eigenen Stil.
Schon früh wollte er seinen Bauten eine gewisse Stimmung verleihen, ohne dabei unnötige Elemente mit ins Spiel zu bringen. Nach seiner eigenen Aussage ist die Mauer für ihn das zentrale und tragende Element eines Bauwerkes. Aus dieser Grundlage heraus ist für Souto de Moura der Stein der wichtigste Baustoff. Neben Marmor und Granit als natürliche Steine verwendete er auch Beton als künstlichen Stein für die Umsetzung seiner Gestaltungskonzepte.


Da wollten wohl die Verantwortlichen der Azorenregierung mit der Auswahl dieses Architekten etwas ganz Besonderes vollbringen. Doch solche Bauten hätte man vielleicht in einem städtischen Umfeld verkraften können, niemals aber in einer reizvollen Landschaft und in einem beschaulichen Dorf wie Sete Cidades. Hier muss ich ganzu ausdrücklich von einem Fehlgriff und einer Deplazierung sprechen.
Siehe auch: http://forum.azoren-online.com/viewtopic.php?f=10&t=500
hjh

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Re: Bescheidene Häuser „com custos controlados“

Beitrag von Dieter Gosdzinsky » 03.08.2013, 11:42

Die Beschreibung des Architeten ist eine Warnung, Finger weg von dem.

Das andere ist, dass, wer will denn dort wohnen ? Arbeit gibt es in Punta Delgada, sonst nirgendwo. Und für Ausländer - so wie bei uns - ist das uninteressant.

Hast Du einen Grundriss der Häuser ?


Dieter

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Re: Bescheidene Häuser „com custos controlados“

Beitrag von hjh » 03.08.2013, 12:32

Îch stimme Dir vollauf zu. Sie sind weder als Ferienhäuser noch als Wohnhäuser für eine mehrköpfige Familie geeignet. Und möchtest Du sommers wie winters in einem recht dünnschaligem Betonhaus wohnen? Wie ist da die Wärmedämmung, wie die Akustik?
Das folgende Foto habe ich aus der Zeitung "Correio dos Acores". Es zeigt die beiden Hausreihen von hinten. Man beachte auf dem Foto: Da stehen jeweils zwei Häuschen dicht an dicht hintereinander.
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Re: Bescheidene Häuser „com custos controlados“

Beitrag von hjh » 25.11.2014, 18:57

Heute, 19 Monate nach dem ersten Besuch, habe ich mir die Betonhäuschen angesehen. Es gibt Baufortschritte. Jetzt haben sie Fenster, auch innen scheint sich etwas getan zu haben. Doch alles steht leer. Und das ganze Neubaugebiet ist mit einem Zaun zugesperrt. Ob man hier mit der Bauzeit dem Berliner Flughafen Konkurrenz machen will?
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Re: Bescheidene Häuser „com custos controlados“

Beitrag von hjh » 09.08.2015, 17:06

Und heute bin ich mal wieder an den Betonhäuschen vorbeigekommen. Es geht voran! Nach bald 2 1/2 Jahren haben sie nun Fenster und Türen. Aber niemand wohnt darin.
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Re: Bescheidene Häuser „com custos controlados“

Beitrag von Roman » 09.08.2015, 22:01

... und das Gelände ist abgezäunt = Bauruine!
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Re: Bescheidene Häuser „com custos controlados“

Beitrag von hjh » 27.11.2015, 21:10

Der „renommierte“ Architekt Souto de Moura, der auch den Bau der weitgehend unnützen und überdimensionierten Containerbauten am Seeufer von Sete Cidades zu verantworten hat, plante auch die Betonhäuschen in der oberen Gemeinde. Ursprünglich sollten es 27 Wohnungen sein, doch gebaut wurden nur 11. Vor vier Jahren sollten sie zu „kontrollierten Kosten“ an junge Leute für knapp 100.000 € verkauft werden. Monatlich wären vom Käufer 450 € aufzubringen gewesen. Doch niemand der sich bewerbenden 14 Familien konnte von einer Bank dazu einen Kredit bekommen. Nun sollen sie für 250 € pro Monat vermietet werden. Ob das gelingt?
hjh

Nachtrag vom 17.12.2015:
Die Straßenreihe der Häuser ist weiterhin unbewohnt. Die dicht darunter stehende Hausreihe ist bewohnt; denn sie stehen nach unten noch frei. Für die weiter geplanten Häuser sind die Straßen fertig und die Baugruben in etwa ausgehoben. Aber daraus wird wohl nichts.
hjh

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