Künstler möchte auswandern - Minimalistisch/Low Budget

Für alle die mit dem Gedanken spielen auf die Azoren auszuwandern. Sie suchen Kontakte zu deutschpsrachigen Residenten? Sie benötigen Hilfe mit Ämtern und Behörden? Wo bekommt man welche Produkte? Was ist auf den Azoren zu beachten?
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demelee
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Künstler möchte auswandern - Minimalistisch/Low Budget

Beitrag von demelee » 17.08.2008, 17:05

Hallo liebes Forum,

ich habe einige Fragen, bezüglich einer Auswanderung auf die Azoren. Ich spiele seit Jahren mit den Gedanken und besonders die portugisische Inselgruppe hat es mir angetan.

Ich bin Künstler (Literatur/Film/Fotografie) und suche deshalb die Abgeschiedenheit und besonders auch die Einfachheit einer satten und natürlichen Flora.

Ich habe durch meine Schreiberei ein geringes Einkommen, welches ich durch die Fotografie ergänzen kann. Aber ich möchte vor allen Dingen auch Selbstversorger sein. Mir drängt sich daher die Frage auf, wie viel ich zum Leben als Minimum benötige.

Ich weiß, in anderen Beiträgen wurde diese Frage schon gestellt - aber ich möchte auf jeden Luxus verzichten, fahre weder Auto, noch brauche ich ein Telefon, und auch nichts Besonderes bei der Nahrung - als Getränk langt mir Wasser. Ãœbrigens: ich kenne diese Art zu leben und bin da nicht blauäugig. Das einzige, was mir etwas Kopfzerbrechen macht, sind die Zahnarztrechnungen, die hin und wieder einmal aufkommen werden - andere größere Preisinvestitionen sehe ich kaum (außer ein Sturm richtet groben Schaden an).

Ich habe ein Startkapital von ca. 25.000 bis 30.000 Euro. Ich möchte ein einfaches Haus in der günstigsten und abgelegensten Gegend. Flores oder sogar Corvo scheinen mir da am realistischsten.

Ich habe einen portugisischen Freund, der mir, wenn es soweit ist, bei dem Papierkram helfen kann - aber natürlich werde ich ein gutes Jahr lang die Sprache lernen, bevor ich mich an den großen Schritt wage.

Ich würde mich freuen, wenn mir jemand meine Fragen zu den Finanzen und der passenden Wohngegend beantworten kann. Auch wie das mit dem finanziellen monatlichen Minimum aussieht und vielleicht weiß sogar jemand, ob ich mit meiner Kunst (Schreiberei nur in der deutschen Sprache wird wohl kaum was bringen, oder?), der Filmerei oder auch der Fotografie was machen kann.
Ich könnte mir da so eine Art Fotoservice für Touristen vorstellen - man begleiten als Fotograf ein Paar oder eine Gruppe für einen oder mehrere Tage und macht dabei Fotos oder Filmaufnahmen (ich habe eine professionelle Ausrüstung).

Ok, ist ein langes Posting - ich bedanke mich fürs Lesen und freue mich auf liebe Kontakte.

gunthard
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Beitrag von gunthard » 17.08.2008, 19:39

Hallo Künstler

Hier ein paar Gedanken von jemandem der die Azoren nur vom Urlaub her kennt. Ich würde einen kleinen Teil des Startkapitals für eine erste Reise auf die Azoren investieren. Bei dieser Gelegenheit solltest du dir einige der Inseln anschauen. Die Unterschiede sind doch recht gross. Ob die abgelegenen Inseln im Westen die beste Wahl ist, möchte ich bezweifeln. Die grosse Distanz ist oft auch mit höheren Kosten verbunden. Sei es für Reisen nach Deutschland oder für Zahnarzt- oder Arztbesuche. Ein Kompromiss könnte Graciosa sein, das sehr klein und ruhig ist, jedoch nahe an Terceria liegt mit seinem doch etwas grösseren Angebot.

Wenn du nebenbei noch Geld verdienen willst, dann wirst du wohl eher auf eine der grösseren Inseln ziehen müssen. Auf Corvo wirst du kaum je eine Touristen mehrere Tage begleiten können.

Also geh mal auf die Azoren und schau die um wie das Leben dort ist, sprich mit Auswanderern und zu erfahren, was dort so läuft und wie man als Künstler vielleicht zu Geld kommen kann.

Viel Erfolg beim Umsetzten deiner Pläne wünscht dir Gunthard

demelee
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Recherche muss sein

Beitrag von demelee » 17.08.2008, 20:02

Vielen Dank für deine Antwort. Aber dass ich eine, oder auch mehrere Reisen unternehme, bevor ich letztendlich auswandere, ist natürlich klar. Letztendlich wäge ich momentan noch einige Länder mit ihrem Für- und Wider der blanken Fakten gegeneinander ab. Wenn ich mich auf dem Papier dann für ein Land entschieden habe, fange ich an die Sprache zu lernen und auch das Land erst einmal als Tourist zu besuchen. Ich erwähnte es in meinem ersten Posting nicht, da solch Vorgehensweise eigentlich selbstverständlich ist - ich weiß, nicht für alle ;-)

horta3

Beitrag von horta3 » 18.08.2008, 09:41

Ähnlich dem Sozialindikator sollte es, falls es das noch nicht gibt, eine umfassende Selbstbewertungsliste geben. Hierin könnte sich jeder, ob er auswandern will oder nicht, bewerten, ohne sich anderen Zeitgenossen zu sehr öffnen zu müssen. Wenn dann dieser "Warenkorb" mit 1000 Fragen abgearbeitet wäre, würde dann der Auswanderungswillige ermessen können, ob er den oft schicksalsschweren Schritt tun soll oder nicht. Mir kommt immer wieder bei solchen Fragen der Spruch in den Kopf: Des Ersten Tod, des Zweiten Not, des Dritten Brot. :shock: :shock: :shock:

demelee
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seltsam

Beitrag von demelee » 18.08.2008, 09:52

... von so einem Bogen habe ich schon einmal gehört, wie viele Fragen der allerdings hat, weiß ich nicht. Nur hat das eigentlich auch mit meinen Fragen gar nichts zu tun. Mich interessiert vielmehr die Meinung von Menschen, die wirklich wissen, wie es auf den einzelnen Inseln abläuft und mir ihre Erfahrung, was die Arbeit und die Kosten anbelangt, schildern können. Das Problem ist ja bei vielen Web-Einträgen, dass angenommen wird, die deutschen Auswanderer wollen sich ihren Lebensstandart erhalten - nur trifft das ja nicht auf jeden zu.

sabine
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Beitrag von sabine » 18.08.2008, 10:51

Hallo Demelee,
wir leben seit 8 Jahren auf der Insel Flores nach aehnlichem Konzept welches dir vorschwebt. Vorab zu sagen war es zeitweise eine ziemlich harte Zeit, trotzdem ist es machbar.
Auf Telefon und Internet wuerden wir keinesfalls verzichten, wie willst du auch sonst deine Kunst vermarkten? Literatur und Fotografie kann man sicher auch von hier aus in Deutschland an den Mann bringen.
Ansonsten haben wir feste Kosten fuer Elektrizitaet und Gas, Sprit fuer unseren Scooter und Sozialversicherung. Hier koennte man noch einiges sparen, Elektrizitaet mit Solarzellen oder Windkraft, Wassererwaermung, zumindest im Sommer, mit Kollektoren.
Wenn du Selbstversorgung machst bist du Landwirt und kannst dich zum guenstigsten Tarif (32 Euro pro Monat) sozialversichern. Dann kostet dich die aerztliche bzw. zahnaerztliche Behandlung gar nichts. Bis auf Zahnersatz, aber den musst du wohl auch in Deutschland bezahlen.

Wenn es absolut hart kommt koennen wir mit drei Personen mit ca 300 Euro im Monat auskommen. Du musst neben den oben erwaehnten Grundkosten halt auch als Selbstversorger einiges einkaufen, Hygieneartikel sind nicht unbedingt billig, Fette (Butter, Oel). Die Kunst meines Mannes ist leider nicht so einfach zu verkaufen, er macht Holzskulpturen, z.T. recht gross und schwer. Daher ist es noetig, dass er alles an Jobs erledigt was kommt, d.h. Bau und Renovierungsarbeiten, Gartenpflege.

Als Wohngegend wuerde ich mich nicht allzu abgelegen niederlassen. Wir sind ca. 3 km von SantaCruz entfernt und koennen alles auch zu Fuss erreichen (Aemter, Hospital usw.).

Ich kann mich nur Gunthard anschliessen und wuerde soger raten nicht nur zum Urlaub auf die Azoren zu reisen, sondern etwas laengere Zeit hier zu verbringen. Insbesondere waehrend der Wintermonate kann man guenstig etwas mieten und kriegt auch eher einen Eindruck von den Lebensbedingungen. Und noch ein Tip: guenstige Anwesen kaufst du nur noch von Einheimischen.

Soviel fuers Erste, wenn du tatsaechlich mal nach Flores kommst, bist du herzlich eingeladen bei uns vorbei zu kommen.

LG Sabine

demelee
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He, vielen Dank

Beitrag von demelee » 18.08.2008, 11:56

Hallo Sabine,

vielen Dank für deine Antwort, hat mich sehr gefreut. Deine Anmerkungen sind sehr hilfreich. Ich habe mir schon gedacht, dass man wesentlich günstiger leben kann, als in vielen Foren bisher stand. Also Telefon und Internet brauche ich nicht zwingend, da ich hier in Deutschland eine Literaturagentur habe, mit der ich nicht andauernd Kontakt halten muss - und für das Wichtigste könnte ich alle Paar Wochen mal an einen öffentlichen Rechner, bzw. Unterlagen per Post schicken. Aber das kann ich mir noch überlegen. Thema Landwirt. Da werde ich mich noch ausgiebig schlau machen, aber ich möchte schon einiges selbst anbauen und auch einige Tiere halten. Wäre interessant zu wissen, ab wann man den Status eines "Landwirts" inne haben kann. Ich war eben auf eurer HP, hat mir sehr gut gefallen. Klasse fand ich, dass ihr Ziegen habt. Ich hatte schon vor einiger Zeit den Gedanken, eine Ziegenfarm zu gründen - sind tolle Tiere.
Meine Fotografie: Ich müsste mich mal schlau machen, wie es mit dem Tourismus auf Flores aussieht - ansonsten wäre vielleicht auch Pico nicht uninteressant. Ich würde auf jeden Fall gern den Kontakt halten - vielleicht miete ich mich schon nächstes Jahr eine Zeitlang bei euch ein - sucht ihr eigentlich noch einen Azubi? ;-)

sabine
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Beitrag von sabine » 18.08.2008, 17:29

Hallo Demelee,
meines Wissens nach gibt es keine Probleme, als Landwirt anerkannt zu werden, selbst wenn man nur Obst und Gemuese anbaut. Man muss sich beim Finanzamt anmelden und kann sich dann sozialversichern.

Der Tourismus boomt hauptsaechlich in den Monaten Juli und August. Juni, September ist auch noch ein wenig aber der Rest des Jahres absolut nichts. Die Besucher haben sowieso alle Kameraausruestung dabei und viele sind begeisterte Hobbyfotografen. Ich glaube also nicht, dass man als Fotograf mit Touristen hier viel verdienen kann. Ich denke, das wird auch auf Pico nicht viel anders sein.

Landschaftsaufnahmen gibt es ja auch mehr als reichlich. Dokumentationen der einheimischen Flora und Fauna koennte ich mir gut vorstellen, z.B einen Film ueber die Cagarras (Sturmvoegel) oder die azoreanische Fledermaus. Von der Unterwasser Welt ganz zu schweigen.

Einen Azubi brauchen wir wohl eher nicht. Vielleicht steht mal eine groessere Aktion an und man koennte Arbeitsleistung mit Unterkunft verrechnen.

LG Sabine

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Scherz !

Beitrag von demelee » 18.08.2008, 17:45

Hy Sabine,

das mit dem Azubi war natürlich nicht ganz ernst gemeint :-)

Nun, das viele Touristen selbst Fotografieren ist schon klar, aber trotzdem bleibt immer ein Problem, gerade wenn Paare Urlaub machen: Es sind selten beide Personen drauf, weil ja einer immer Fotografiert. Und mit dem Selbstauslöser ist es auch unpraktisch. Ich dachte halt daran, dass man ein Paar, oder eine Gruppe Stunden, oder Tageweise begleitet und Serienaufnahmen macht - ganz unabhängig von den Bildern, die die Gruppe selbst noch von der Landschaft macht. Auch Videoaufnahmen in HD-Qualität sind nicht ganz leicht, wenn ALLE Urlauber drauf sein wollen.

Dokumentarfilme sind natürlich auch eine gute Idee, aber leider nicht lukrativ - die Fernsehsender zahlen schlecht, es sei denn, man hat eine neue oder sehr seltene/spektakuläre Tierart entdeckt.

Gibt es eigentlich einen Fernsehsender auf den Azoren? Wenn nicht, könnte ich mir da ein Internetportal vorstellen. Schau dir das mal an: www.b-tv-hamburg.de Das ist eine Plattform von Bekannten, für die ich auch schon fotografiert habe. So eine Reportagenplattform für die Azoren wäre vielleicht mal eine neue Sache.

LG

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Beitrag von Roman » 18.08.2008, 20:17

Servus.
Natürlich gibt es Fernsehen auf den Azoren. RTP hat einen eigenen Sub-Kanal mit täglich halbstündigen Nachrichten und einer Dokusendung. Zudem regelmässig LIVE-Ãœbetragung von Events. Der Rest US-Serien mit Untertitel. http://www.rtp.pt/acores
Gruß, Roman.

atras do sol
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Beitrag von atras do sol » 22.08.2008, 14:55

hallo demelee,

ich glaube, mein mann und ich sind die "neuesten" auswanderer. wir leben jetzt seit einem halben jahr auf sao miguel.
ich glaube, du machst einen wichtigen denkfehler. je kleiner die insel, auf welcher du dich ansiedeln möchtest, desto weniger möglichkeit hast du, dir ein wenig dazu zu verdienen, falls not am mann ist. auf sao miguel gibt es beispielsweise deutsche bauunternehmen, wo sich ein handwerklich begabter jederzeit ein paar euro verdienen kann. oder viele deutsche bieten ihr handwerkliches geschick wiederum anderen deutschen an, welche nicht alles selbst machen können/wollen. in den letzten drei jahren (seit ich zum ersten mal die insel besucht habe) sind z.b. die lebensmittel-preise erheblich gestiegen. und ganz gleich, wie bescheiden du auch leben möchtest....du wirst einiges benötigen, um dir ein zuhause zu schaffen....und auch auf den azoren wird einem nichts mehr geschenkt. wir haben in der nachbarschaft einen deutschen "eremit"...;-)), allerdings ist er schon sehr lange hier und hat sich in all den jahren eine gewisse selbstversorgung aufgebaut, welche heute so preisgünstig nicht mehr möglich sein wird. und wenn du von der welt abgschnitten leben willst, dann geht das nur, wenn du die "welt" zum leben nicht mehr benötigst. wir haben unsere ansprüche schon weit nach unten gesetzt, es klappt wunderbar, aber dennoch bleibt genügend, was bezahlt werden muss.

in den letzten zwei monaten haben uns einige auswanderungsfreudige besucht. und einige sind etwas enttäuscht nach hause geflogen, weil sie sich alles etwas anders (billiger, unkomplizierter) vorgestellt haben.

ich wünsche dir trotz allem viel glück und bin ebenfalls gerne bereit, dir bei weiteren fragen zu helfen.

herzlichst atras do sol

flores
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Flores

Beitrag von flores » 27.03.2009, 13:13

Hallo!
Wenn du auf den Azoren Landwirt sein willst, mußt du eine Gewerbeanmeldung machen - dazu gehört auch die jährliche Steuererklärung!
Die Distanz zwischen den Inseln spielt für "zeitlose" Menschen keine Rolle, man kann auch an günstigeren Tagen fliegen. Und Schiffe kommen ja auch!
Die Lebensmittel werden teurer, aber man kann sein Gemüse rund ums Jahr selbst erzeugen. Auch Ziegen kann man rund ums Jahr melken!
Internet gibts in Flores z.B. in Lajes kostenlos im Internetclub.
Und schöne Postkarten wären auch keine schlechte Idee. Speziell von Flores gibt es da nur die von Foto Alves, und der hatt schon seit Jahren zu.

Warst Du nun schon hier?

Liebe Grüße Flores

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