3 Wochen Azoren Trekking TE-FL-CO-FA-SJ-SM mit Kind

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elbspitze.de
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Re: 3 Wochen Azoren Trekking TE-FL-CO-FA-SJ-SM mit Kind

Beitrag von elbspitze.de » 21.10.2013, 10:43

So viel Glück konnten wir nicht haben, dass auch der 12.Tag sonnengeflutet startet. Also nehmen wir den dichten Nebel und die extrem feuchte Luft am Morgen in Kauf und frühstücken im Zelt. Ab und an fängt es auch zu nieseln. Juchhe und wir müssen noch weiter 200m höher. Die Caldeira können wir uns abschmatzen. Dort hoch zu laufen um nix zu sehen wäre reine Kraft- und Zeitverschwendung. Heute müssen wir das Zelt nass verstauen, also ab damit in den Ortliebsack. Das Wetter verschlechtert sich zunehmend und wir starten zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Auf dem Weg nach oben queren unseren Weg nur Kühe. Andere Wesen haben sich bei dem Mistwetter nicht raus getraut, außer Mietwagentouris, die uns aus dem Auto heraus fotografieren. Irgendwann erreichen wir die 900m Höhe - kalt, windig, neblig, Regen. Was will man mehr?

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Eine gute Nachricht kann ich nun verkünden. Ab hier geht’s bis Horta nur noch bergab. Es kommt auch bald wieder der Punkt, wo wir mehr sehen als nur die Weiden am Rand. Es klart auf, je mehr wir nach unten gehen. Die Sicht wird bald so gut, dass man einen Blick nach Pico erhaschen kann.

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Ganz werden wir den Berg aber im ganzen Urlaub nicht sehen, aber schon spektakulär, wie er da so empor wächst. Es windet sehr und warm ist es auch nicht wirklich. Wir lassen heute eine größere Pause weg und schnabulieren unterwegs Äpfel und Digestive-Kekse. Täve läuft auf Hochtouren und ist in seinem Laufdrang kaum zu bremsen. Es geht ja auch bergab. Kurz vor Horta, etwas oberhalb, genießen wir den Rundumblick auf Pico und Sao Jorge. Horta erscheint uns seit langem als eine große Stadt, viele Autos, viele Menschen, viel Trubel. Das sind wir gar nicht mehr gewohnt. Wir wollen nur schnell wieder raus hier. Doch vorher müssen wir uns erkundigen, wo morgen die Fähre nach Sao Jorge startet. Der Hafen ist groß. Kurze Nachfrage bei Einheimischen und unser Weg für uns in den neu gebauten Hafen, im Norden. Auf der Bestätigung von Transmacor steht, wir sollen das Ticket vor Abreise am Automaten ziehen. Super, aber das geht erst 30min vor Abfahrt. Also wissen wir nun, wo die Fähre startet und wo wir unsere bereits gebuchten Tickets morgen erhalten.
Nun heißt es einen Platz in der Nähe fürs Zelt zu finden, wir erblicken gleich nebenan einen großen Barbecuepark. Wir kommen mit einer einheimischen Lehrerin ins Gespräch. Sie meint, dass sie hier schon des Öfteren Leute mit Zelten gesehen habe. Wir wollen schon in einer blickgeschützten Ecke alles aufbauen, da kommt die nette Frau auf uns zu und meint, dass sie sich nach einem Telefonat mit ihrem Mann geirrt habe. Es sei hier nicht gestattet, ihr Mann habe schon gesehen, wie die Polizei hier Leute weggeschickt hätte. Okay, das Risiko wollen wir nicht eingehen. Sie meint aber, 5km über den Berg gen Norden in Almoxarife liegt ein hübscher Zeltplatz. Na toll, nochmal laufen. Wir haben keine Lust mehr, wären auch sehr spät am Ziel. Wir rufen uns ein Taxi, die Dame wohnt sogar im Zielort, wir vereinbaren gleich ein Date für morgen früh 06.30 Uhr.
Echt schade, der Zeltplatz ist echt mal ein hübsches Plätzchen, direkt am Meer, schön begrünt und gepflegt. Die 10 Euro für die eine Nacht legen wir gern auf den Tisch und haben Glück, der Platz schließt in einer Woche. Wir teilen den riesigen Platz mit einem Popupzelt und einem Kuppelzelt.

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Essen haben wir zum Glück noch etwas, Zeit zum Einkaufen hatten wir noch nicht. Leider gibt’s in dem Ort kein Mercado, nur eine Bar. Eine Bar? Das reicht doch...Wein und Bier sind gesichert. Während Yvi shoppen geht, baue ich alles auf. Der Wind nimmt langsam wieder zu, aber es ist trocken. In der Dämmerung essen wir dann zu Abend und Täve’s Tagesaktivitäten rächen sich nun. Er geht freiwillig ins Bett. Nach einer kurzen Chillphase für uns, überredet mich Yvi, im Meer baden zu gehen. Mit Stirnlampe ausgerüstet, geht’s zum Sandstrand. Die Wellen sind so stark, dass sie mit uns machen, was sie wollen. Aber wir sind nun wieder erfrischt und streifen uns die letzten sauberen Klamotten über. Wir merken langsam, dass wir an Klamotten genau die richtige Anzahl und Auswahl mitgenommen haben. Einige Klamotten sind gewaschen, einige am trocknen und andere stinken. So braucht man eine gewisse Auswahl um sich abends im Schlafsack wohlzufühlen. Nach der Badeorgie plündern wir noch den Süßigkeitenautomaten im Foyer. Snickers, Mars, Cola, Fanta, Nüsse..am Ende füttern wir den Automaten mit 15 Euro. Für Glückshormone zahle ich auch gerne mehr. Überglücklich gehen wir zu Bett, der Wecker wird morgen 05 Uhr klingeln.

Kurz darauf beginnt der 13.Tag, nach einer stürmischen Nacht mit kurzen Regenabschnitten. Yvi heult mir schon jetzt die Ohren voll, wie schlimm den die Überfahrt werden wird. Wir hatten gestern aber ein großes Schiff gesehen und in der Annahme, dieses sei unseres, wiege ich sie in Sicherheit und kann so in Ruhe das Zelt abbauen. Es ist noch dunkel, Täve schläft noch und wird erst in letzter Minute geweckt. Dann geht alles ganz schnell, das Taxi ist überpünktlich und schweißgebadet steigen wir ins Taxi. Am Hafen angekommen, ist hier wirklich tote Hose. Wir ziehen unsere Tickets aus dem Automaten und warten bis hier Irgendjemand mal das „Go“-Zeichen gibt. Wir fügen uns der azorianischen Gelassenheit und frühstücken erst mal in Ruhe. Nun wird es Zeit, Yvi einzuweihen, dass unsere Fähre doch eine kleine Spelunke ist. Irgendwie stört sie das gar nicht. Hat sie mit dem Leben schon abgeschlossen? 7.20 Uhr soll die Fähre starten, kurz nach 7 erkundige ich mich dann mal, wie das mit dem Buggy läuft. Okay, Einer fühlt sich verantwortlich und nimmt ihn in Empfang. Er muss als Fracht verladen werden. Langsam aber sicher trudeln auch andere Reisende ein, der Laden füllt sich. Eine weitere Viertelstunde passiert wieder nichts. Dann auf einmal die Durchsage „Letzter Aufruf nach Sao Roque, Velas“ Hee, bis dato standen die Lautsprecher still. Okay, wir düsen vor, springen aufs Boot, sind die Letzten. Nach uns wird 1 Minute später abgelegt. Naja, wir sind an Bord.
Die Ausfahrt aus dem Hafen zeigt bereits auf, was uns gleich erwarten wird. Je mehr wir den Schutz des Hafens verlassen, umso mehr schaukelt das Schiff. Links sehe ich nur Wasser, rechts nur den Himmel. Das Boot schaukelt abartig. Die Kotztüten sind von jedem Sitz in greifbarer Nähe – zu Recht. Yvi nutzt die Offerte und schnappt sich vorsorglich eine der großen Vorratstüten. Ich werde sie die Fahrt über nur im Hafen von Pico sehen. Ansonsten hält sie sich die meiste Zeit auf der Toilette auf. Täve und ich versuchen derweil zu schlafen. Es funktioniert eine Weile, doch auf einmal weckt uns ein seltsames Geräusch. Toll, Yvi meint, dass ich an Ihrer Fähren-Bolemie teilhaben soll und nutzt nun die Kotztüte intensivst. Sie tut mir schon ein wenig leid, als ich ihr die Freude nehmen muss, dass der Hafen von Pico noch nicht unser Ziel sei, wir aber schon die Hälfte geschafft hätten. Sie verzieht sich umgehend wieder aufs Klo. Es könnte ja sein, dass neue Gäste ihr den Platz dort streitig machen könnten. Nun gut, dann kann ich weiterschlafen. Gegen 10 Uhr legen wir in Velas an. Yvi hat sich nun komplett geleert. Zeit zum Frühstück. Das Wetter auf Sao Jorge scheint nur westlich von Velas gut zu sein. Der Rest der Insel liegt in einer einzigen Wolkensuppe. Wir planen also spontan um. Nach einem ausgedehnten Frühstück und dem obligatorischen Einkauf im Mercado schnappen wir uns ein Taxi und steuern Rosais an. Da wir sicher noch oft seine Dienste benötigen werden, gibt er uns seine Visitenkarte. Wir nehmen seinen Rat an, Sete Fontes anzusteuern, da man in dem Park ruhig auch sein Zelt aufschlagen könnte.
Erst einmal wollen wir aber an die äußerste Westspitze zum verlassenen Leuchtturm laufen. Auf roten Erdwegen und Schotterpisten geht’s bei rauem Wind, aber trockenem Wetter durch schöne Landschaft, immer mit viel Weitsicht auf Pico und Faial. Ein wenig später können wir sogar Craciosa am Horizont erblicken. Die Tour wollte ich damals bereits in die Planung mit aufnehmen, hatte mich dann aber für andere Faja-Touren entschieden. Nun bereuten wir es nicht, die Tour doch gemacht zu haben. Bald quert uns die lange Gerade zum Leuchtturm. Wir satteln ab, lassen unser Zeug im Graben stehen und laufen die Sackgasse zum Leuchtturm. Ein wenig später kommt uns ein Auto entgegen, welches uns bereits in Rosais überholte. Die Fahrerin des Autos meint „Wow you walk very fast!“ Wir entgegnen nur „No, you drive very slow“. Wir lachen und wünschen uns gegenseitig einen schönen Tag.

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Der Leuchtturm mit seinen umliegenden Gebäuden ist seit einem Erdbeben verlassen. Man sieht Erdrisse und –spalten. Okay, also nur eine Frage der Zeit bis hier mal was Größeres wegbricht. Auf jeden Fall ist die Aussicht herrlich. Wir sind mal wieder allein hier. Lange verweilen wir hier aber nicht, wir machen uns auf den Rückweg zum Gepäck. Im Schutz der Bäume machen wir dort wieder angekommen Rast. Es windet ganz schön. Das Wetter ist nun auch hier ungemütlich geworden. Wir können jedoch in der Ferne im Osten Sao Jorge’s noch schlechteres Wetter sehen. Mit straffem Schritt folgen wir dem Navi, etwas abseits der geradlinigen Fahrstraße. Gegen Nachmittag erreichen wir dann Sete Fontes. Es ist Samstag, im Park feiert eine Familie Kindergeburtstag. Wie bemerken, dass der Park ein botanischer Garten ist. Nachdem wir die Parkordnung studiert haben, müssen wir nun nach einem anderen Zeltplatz Ausschau halten. Hier ist Zelten verboten. Obwohl der Taxifahrer aber anderer Meinung ist, hören wir auf die Parkordnung. Während ich im Umkreis des Parks nach geeigneten Plätzen suche, tobt sich Täve auf dem Spielplatz mit einheimischen Kindern aus. Ich finde eine Toilette mit Wasser. Das ist erst mal gesichert.
Zwei Platzvarianten habe ich gefunden. Die eine windausgesetzt auf einem Hügel mit Blick aufs Meer, die andere windgeschützt auf einer Weide, umgeben von streng stinkenden Misthaufen. Wir entscheiden uns für erstere und werden dies auch nicht bereuen, das wird sich am nächsten Tag zeigen.

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Jedoch für den verbleibenden Tag ist der Platz falsch gewählt. Es windet immer toller und fängt an zu regnen. Ich spanne jede Leine ab. Wir verziehen uns im Zelt. Freizeitbeschäftigung ist angesagt, Tagebuch schreiben, mit Täve rumtollen. Erst bei so einem Mistwetter weiß man das große Platzangebot im Zelt zu schätzen. Papa darf dann mal wieder an den Kocher. Alle haben Hunger. Im Zelt klingt es heftig. Der Regen peitscht gegen das Zelt, der Wind drückt gegen die Gestänge. Alles hält super.
Nach dem Essen ziehe ich mich aus und stelle mich ein paar Minuten in den Regen. Frisch geduscht! Yvi zieht es heute erstmals vor, stinkend einzuschlafen. Wir verziehen uns in die Schlafsäcke und quatschen noch ein wenig. Mit Täve schlafen wir dann zusammen ein. Da wissen wir noch nicht, wie unruhig die Nacht für uns verlaufen wird.
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Re: 3 Wochen Azoren Trekking TE-FL-CO-FA-SJ-SM mit Kind

Beitrag von elbspitze.de » 22.10.2013, 13:36

Der 14. Tag sollte es wieder in sich haben. Aber vorerst mussten wir noch die Schlechtwetterperiode überstehen. Es hatte seit 14 Std durchweg geregnet. Nieselregen wechselte sich mit Starkregen ab. Manchmal klang es im Zelt so krass, als würde Jemand unser Zelt mit einem Wasserschlauch bespritzen. Der Regen fiel teilweise so waagerecht, dass es in die seitlichen Öffnungen des Zeltes reingeregnet hatte. Dabei windete es immer wieder sehr heftig, kalt war es jedoch die Nacht nie. Es wird unsere schlimmste Nacht gewesen sein, aber unser Zelt hat uns sicher da durch gebracht. Frühstücken im Zelt ist also die einzige Alternative. Langsam aber sicher verziehen sich die Wolken, wir öffnen den Seiteneingang und immer mehr Sonne kommt zum Vorschein. Heute stand der Höhenweg auf dem Plan, den werden wir aber auf morgen schieben, da der ganze Bereich in Wolken liegt. Nachdem wir alles gepackt haben, gehen wir wieder zum Spielplatz und rufen den Taxifahrer von gestern an. Als hätte er um die Ecke gewartet, kommt er auch gleich um die Kurve geschossen. Unser Fahrtziel heißt Norte Grande, unser Tagesziel Faja dos Cubres. Für 20 Euro bringt er uns an eine Wegegabelung bei der wir nun immer am Hang entlang erst einmal Richtung Norte Pequeno laufen um dort den Mercado aufzusuchen. Das Wetter klart immer mehr auf und mittlerweile brennt die Sonne wieder auf der Haut. Wir streifen alles von uns, was nur geht. Der Weg ist leicht wellig, nichts Anstrengendes. Das Navi weist auf einen Mercado hin, noch 50m. Dort angekommen, fällt uns wie Schuppen von Augen, dass heute Sonntag ist. Orrr nee, zum Glück hatten wir beim letzten Einkauf bisschen mehr eingekauft. Das Abendessen ist gesichert. Enttäuscht steigen wir nun zur Faja ab. Der einzige Weg dort hinunter geht über eine schmale Straße, die von Erdrutschen gebeutelt ist. Auf einmal eröffnet sich ein fantastischer Blick über die nördliche Steilküste. Vorab hatte ich schon viele Bilder davon gesehen, aber live übertrifft das echt alles.

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Im Vordergrund Faja dos Cubres, im Hintergrund Faja de Santo Cristo. Wir steigen die gesamt 500 Hm weiter ab. Zwischendurch ein weiterer Aussichtspunkt. Immer näher rückt die Faja.

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Im Ort angekommen, erwartet uns eine ländliche Idylle, wie wir sie lieben. Auf einmal ein vertrautes Geräusch. Ein Junge läuft mit einer Plastiktüte an uns vorbei, drin Glasklappergeräusch. Wir gehen dorthin, wo der Junge herkommt und siehe da, eine kleine niedliche Bar. Es ist bereits 14 Uhr. Doch unsere Mägen knurren, wir stürmen das Lokal und überfordern die Dame erst einmal mit unserer Bestellung. Es gibt Pommes mit leckeren Fleisch, Sagres. Boar, nun sind wir überfressen. Eigentlich hatten wir noch Santo Cristo in Betracht gezogen, aber irgendwie wollen wir grad nicht mehr so richtig. Wir reden mit der Bardame, ob irgendwo wild Zelten möglich ist. Sie führt uns um die Ecke auf eine 20x20m große Streuobstwiese und meint „Hier könnt Ihr Euer Zelt aufbauen, die Wiese gehört uns.“ Wirklich nett von der Dame, nur leider stehen die Bäume so dicht, dass wir unser Zelt um die Bäume winden müssten. Sie meint, dass am Strand aber auch die Möglichkeit besteht. Träge ziehen wir von dannen und suchen nach einem geeigneten Platz, nachdem wir nahe der Bar unsere Wassersäcke gefüllt hatten.

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Lange wird die Sonne nicht mehr scheinen, beschwert sich Yvi. Also geht alles fix. Wir spähen einen idealen Platz aus. Wind- und sichtgeschützt hinter alten Lavasteinmauern, nur 10m vom Meer.

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Wir nutzen die verbleibende Zeit und laufen am Meer entlang, über die Lagune und durch den Ort und lassen die Idylle nochmals auf uns wirken. Der Ort ist unser Ding, wir sind dermaßen beeindruckt, dass wir vermutlich aus diesem Grund auch nicht weitergangen sind. Hier wollen wir die Nacht verbringen.

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Komisch, wir sind wieder am Zelt, es sind keine 2 Stunden vergangen und wir haben schon wieder Hunger. Nun gut, da muss ich mal wieder ran an den Herd. Yvi genießt die Sonne derweil.

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Nachdem wir gegessen haben, setzen wir uns noch ans Meer. Ich glaube, besser kann man den Platz nicht mehr wählen. In den Top3 wird dieser auf jeden Fall landen. Kurz nachdem die Sonne verschwunden ist, nehmen wir mal wieder den Kampf mit den Wellen auf. Täve ist als erster dran, er bekommt das Wasser mit dem Topf, wir wollen uns ins Wasser setzen. Ich lasse Yvi den Vortritt, trockne nebenbei Täve ab. Schwupp, wo ist Yvi? Die Welle hatte dann doch den Kampf gewonnen. Auf einmal war sie mehr nass geworden als ihr lieb war. Wahnsinn, wir haben nun endgültig Respekt vor den Wellen, auch wenn sie noch so klein sind. Am Zelt zurück lassen wir Täve noch ein wenig toben, er geht erst mit der Dämmerung ins Bett. Wir bleiben noch lange auf, unseren Vorrat an Genussmitteln hatten wir in der Bar aufgefüllt. Was für ein glücklicher Umstand. Ein wunderbarer Tag neigt sich dem Ende. Wir wollen uns die Entscheidung über die morgige Tour noch offen lassen und vom Wetter abhängig machen. Entweder Tagestour nach Santo Cristo oder Höhenweg. Gute Nacht!


An Tag 15 quält sich die Sonne langsam, aber sicher über die Steilhänge. Es könnte ein wunderbarer Tag werden. Wir entscheiden uns für den Höhenweg, was 1000Hm Aufstieg bedeutet. Den ersten Teil davon kann ich zum Frühstück die ganze Zeit betrachten. Es ist der Aufstieg, den wir erst gestern runter sind. Physisch trinke ich Kaffee, psychisch bin ich schon im Anstieg. Nachdem wir alles zusammen geräumt haben, fällt uns der Abschied schwer, wir ziehen weiter. Der Anstieg ist gar nicht sooo schlimm und gegen 11.45 Uhr sind wir wieder im Ort Norte Pequeno. Wir hatten gestern die Öffnungszeiten des Mercados gecheckt und bis 12.30 Uhr sollte der Laden offen haben. „Sollte“! Alle Türen verschlossen, er macht erst wieder 14.00 Uhr auf. Wir erfahren dann von einem Einheimischen, dass der Laden immer nur bis 12 Uhr auf hat. Haha, immer? Zum Glück scheint die Sonne, wir tanken viel davon, wir sind gefrustet, nun 2 Std. hier abzuhängen. Leider gibt es hier weit und breit keinen anderen Mercado, wir müssen also warten. Ich begutachte derweil das Schaufensterangebot und frage mich, was die Besitzerin primär mit dem Laden vorhatte – Strickstübchen oder Minimercado? Nachdem der Laden öffnet, komme ich der Antwort auch nicht näher. Wir kaufen ordentlich ein und wollen nun durchziehen. Es sind immerhin noch 12km und das nur bergauf.

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Je höher wir kommen umso mehr zieht es zu. Einem kurzen Regenschauer können wir ausweichen und stellen uns in einer überdachten Viehtränke unter. Nun können und wollen wir nicht mehr zurück, der Umweg wäre viel zu lang gewesen. Wir ziehen durch. Ziemlich zügig erreichen wir den Anfang des Höhenweges. Geschafft! Nun soll es nur noch hügelig am Hang entlang gehen, mal mit Sicht auf die Nordküste, mal in den Süden. Tja, wir haben Suppe und sehen außer uns Nichts und Niemand. Na toll, Ein Jeep kommt an, die Scheibe fährt nach unten, wir werden mal wieder fotografiert. Mit welchem Nutzen? Mittlerweile windet es stark, es nieselt ab und an. Der Nebel variiert zwischen Sichtweiten 10 bis 100 m. Die Luft ist sehr feucht. Wir wollen nur noch einen Platz zum Übernachten finden. Bei schönem Wetter sicher attraktive Plätze an kleinen Seen sind für uns zu toll dem Wind ausgesetzt. Wir wollen ruhig schlafen und suchen weiter. Der Wind kommt von Süden über den Hang gepeitscht, da fällt mir ein Waldstück am Nordhang ins Auge. 50m Abstieg lohnen sich, wir bauen das Zelt bei totaler Windstille auf. Der Regen hört nun nicht mehr auf. Yvi ist kalt, obwohl die Außentemperaturen im zweistelligen Bereich okay sind, aber Frauen frieren halt immer gleich. Ich begebe mich auf Wassersuche, finde oberhalb einen kleinen See. Zurück am Zelt steht der Plan fest. Kochen, Essen, Chillen, Schlafen. Ich schiebe nach dem Essen eine Katzenwäsche ein, springe nackt aus dem Zelt und wälze mich im nassen, kniehohen Gras..Fertig! Yvi ist ein wenig enttäuscht, aber ich baue sie auf, dass es morgen ja wieder zum Strand runter geht. Alkohol und Süßes sind schnell alle und mit dem Geräusch der Regentropfen auf unserer Zelt schlafen wir schnell ein.
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Re: 3 Wochen Azoren Trekking TE-FL-CO-FA-SJ-SM mit Kind

Beitrag von elbspitze.de » 24.10.2013, 11:09

Nun ja, der 16. Tag steht vorm Zelt. Nass, neblig, regnerisch..halt beschissen. So richtig will Keiner aus dem Schlafsack. Nicht das es kalt ist, aber halt kuschelig. Sogar Täve fügt sich dem Geruch der Faulheit. Ich baue nun erst einmal Yvi auf. Sie leidet unter dem schlechten Wetter. Puuh, zum Glück haben wir so ein Wetter nicht die ganzen 3 Wochen. „Warum zieht es Dich immer wieder in die Berge, am Strand ist’s viel schöner!“ fragt Sie mich. Ich entgegne ihr prompt „Hier oben ist keine Menschenseele, dort unten schon!“ Naja, ein Ende ist in Sicht. Heute soll es abwärts an die Südküste gehen. Wir lasen von einem sehenswerten Campingplatz in Urzelina. Den steuern wir auch gleich nach dem Frühstück an. Alles muss vorerst nass verpackt werden. Auch die Klamotten sind klamm. Es hat mittlerweile aufgehört zu regnen und die Wolken machen Platz für den Blick nach Norden und Süden. Erstmal geht es noch ein Stück höher, fast auf der Höhe mit dem Pico Esperanza erreichen wir den höchsten Punkt auf über 1000m. Wir sparen uns den kleinen Abstecher zum Gipfel. Die Sicht dort oben ist nicht wirklich prickelnd. Die Kuppe liegt in einer dichten Wolkendecke. Hätten wir mal 5min gewartet. Ein wenig später blicken wir zurück und es hat am Gipfel aufgeklart. Mist! Der Höhenweg sollte angeblich 2013 asphaltiert werden. Zum Glück war er noch ursprünglich geschottert. Das blieb dann auch bis zur Hauptstraße, die vom Norden in den Süden nach Urzelina führt. Der Weg ist es grandios. Immer was für die Augen. Ein Hügel links, ein kleiner See dort, ein Krater rechts, ein Städtchen weit unten im Tal. Toll!

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An der Hauptstraße angekommen, folgen wir südlich kurz der Hauptstraße und biegen dann wieder auf einen Schotterweg ab, der geradewegs bergab geht. Wir machen mal wieder Mittagspause in einer Viehtränke, die anscheinend immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind. Wieder einmal hat es angefangen zu regnen. Der Wind macht es nicht wirklich erträglicher. Der Regen hält nur kurz an, aber wir sehen den Wolkenhimmel im Süden und wissen, es wird heute sicher sehr wechselhaft bleiben, halt typisch azorianisch. Bergab machen wir mal wieder schnell Kilometer gut, aber die steilen Passagen sind auch bergab keine wirkliche Entspannung. Bald ist Urzelina ausgeschildert, im Allgemeinen, wie auch hier, Campingplätze auch. Der Weg führt an einen Mercado nicht vorbei. Wir brauchen wieder Windeln, Bier und Wein, ach und Essen für einen Tag. Morgen soll es ja bereits nach Sao Miguel gehen. Wir freuen uns auf den Campingplatz, da wir Klamotten waschen und trocknen wollen und auch ein wenig das Wetter aufklart. Yvi rechnet sich Sonnenstunden aus. Im Hafen von Urzelina angekommen werden wir mal wieder von der Institution Campingplatz enttäuscht. Zum Kotzen ist das. Da zeigt man den guten Willen und folgt den Anweisungen gewisser Azoreninsider und weicht, wo es nur geht, auf offizielle Camps aus, da wild Zelten angeblich verpönt ist und dann wird man immer vor den Kopf gestoßen. Der Campingplatz ist geschlossen, bereits seit Anfang September, meint ein Einheimischer. Oooookay. Wir müssen kurz nachdenken. Was nun? Wir sind mitten in einem Ort, Zelt aufstellen unmöglich, Laufen wollen wir auch nicht mehr. Doch erstmals in eine Unterkunft. Ich streune durch den Ort, Yvi bespaßt Täve. Im Osten des Hafens finde ich nichts. Auf dem Navi ist zu erkennen, das westlich von Urzelina die Urbanisation gleich endend. Also doch mal ein wenig Fußmarsch. Wir umrunden den Campingplatz. Mann, der wäre echt hübsch gewesen. Bald sind keine Häuser mehr zu sehen, wir folgen der Küste weiter gen Westen. Wir kommen an einer verlassenen Badebucht vorbei.

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Die besten Zeiten hat die schon hinter sich. Da schlechtes Wetter ist, haben wir die Bucht für uns allein. Da wir bei dem Wetter nicht weiter suchen wollen und auch die Zeit langsam ran ist, platzieren wir unser Zelt sehr ungewöhnlich nahe einer Bauruine, die mal die Umkleideräume und Sanitäranlagen der Badebucht darstellten. Das Dach ist noch das einzige, was intakt ist. Das reicht uns zum Klamotten-trocknen und wir müssen mal nicht im Zelt Essen, sondern verbringen die Zeit in der Ruine.

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Leider ist hier keine Wasserquelle in Sicht, Yvi muss noch einmal los, einen 5L Kanister holen. Ich hänge die Wäsche auf, spanne das Zelt ab und säubere ein wenig die Bauruine um es temporär gemütlich zu haben. Den Rest des Tages verbringen wir mit Wäsche waschen, Chillen, Essen und runden den Tag mit einem Bad ab. Die Wellen setzen uns wieder gehörig zu, aber dieses Mal können wir standhalten. Während wir das Restbenzin wieder in einer Dose verbrennen, genießen wir Wein und Bier und simsen nebenbei den Taxifahrer an, dass er uns morgen zum Flughafen bringen soll. Trotz des wechselhaften Wetters ist Sao Jorge unsere Nummer 3 nach Corvo und Flores. Hier gibt es sicher noch mehr zu sehen. Wir quatschen noch ein wenig im Zelt und irgendwann führe ich dann Selbstgespräche, Yvi und Täve schlafen. Jawohl!

Der 17.Tag startet mal wieder mit Weckruf. Okay, der Flug geht erst 11.40 Uhr los, das Taxi soll uns 10 Uhr aufgabeln, aber wir wollen noch in Ruhe frühstücken. Dies tun wir wieder im Schutz der Bauruine. Zwischenzeitlich schenkt man uns eine kurze Schönwetterperiode zum Zelt abbauen. Wir schaffen es geradeso, alles trocken zu verpacken, dann setzt der Regen wieder ein. Nun gut, das Taxi wartet auf uns, wir schlendern zum Treffpunkt und kurz darauf sitzen wir im Trocknen, auf dem Weg zum Flughafen. Vielleicht hatte ich mich gestern missverständlich ausgedrückt, aber der Herr fährt mit einem Affenzahn am Airport vorbei. Erst auf meine Frage, wo er uns hinbringen wolle, bremst er abrupt und kehrt um. Hätten wir das auch geklärt. Der Flughafen ist wieder sehr übersichtlich und bei der Sicherheitskontrolle müssen wir mal wieder den Buggy durch die Durchleuchtung pressen. Eines hat es aber für sich, wir dürfen nach den Alten und Behinderten als Erste boarden, da der Buggy ja immer erst am Flieger abgegeben wird. Innerazorianisch gibt es sowieso keine fest gebuchten Sitzplätze, frei nach dem Motto „first come, first serve“. Der Flug startet pünktlich im strömenden Regen, ich befürchte schon schlimmes. Die Maschinen sind 2/2 Bestuhlung, ich sitze allein am Fenster und schreibe in mein Tagebuch, Yvi und Täve sitzen hinter mir und der Kleine spielt Kopf-hinter-den-Lehnen-verstecken mit anderen Fluggästen. Wir fliegen nicht direkt nach Sao Miguel, es ist eine Zwischenlandung nach einer halben Stunde Flug auf Terceira eingeplant. Doch genau diese halbe Stunde sollte es in sich haben. Nichts ahnend schreibe ich in mein Büchlein, die Turbulenzen beachte ich gar nicht, denn ich weiß, das ist normal. Jedoch werden diese immer toller, dass auf einmal ein Arm zu mir hervorschnellt, ich einen dezenten Strich durchs Buch führe und meine Freundin „Hilfe!“ schreit. Ich drehe mich um, Yvi mal wieder kreidebleich, aber dieses Mal mit einer gewissen Todesangst im Gesicht. Da ich sie mit ruhigen Worten nicht besänftigen kann, werde ich etwas lauter. Täve tut selbiges und in den hinteren Reihen wird es nun sehr ungemütlich. Eine Reihe hinter uns schreit eine Frau lauthals „Oh shit!“. Super, nun haben die anderen Fluggäste auch Panik bekommen, mich eingeschlossen. Mir wird auf einmal auch schlecht, ich sehne der Zwischenlandung herbei, halte jedoch schon die Kotztüte in den Händen, um keine Zeit zu verlieren. Auf Terceira angekommen hat sich Yvi schnell wieder beruhigt, das Wetter hat sich gebessert. Nur mir geht’s noch miserabel. Soll ich mich nun übergeben oder hebe ich es mir auf? Okay, der Flieger hebt wieder ab. Mit einem flauen Gefühl im Magen bewältige ich den letzten Teil nach Sao Miguel und werde dieses Gefühl auch noch auf der Taxifahrt später wieder spüren. Da die Ostazoren immer als die Schönwetterinseln bezeichnet werden, können wir uns von diesem Ruf bei der Landung überzeugen. Es ist warm, ein paar Wolken ziehen vom Südwesten her auf und hüllen die Berge über 500m in Wolken. An der Küste scheint die Sonne. Wir müssen nun wieder den Weg zum Mercado und Tankstelle gehen. Nach 5km Fußmarsch kommen wir in Arrifes an. Es ist bereits 13Uhr, mit einer längeren Wanderung wird es wohl heute nichts mehr. In der Ferne liegen dunkle Wolken genau dort, wo wir eigentlich hinwandern wollen. Der Lagoa Empadadas war auf den Bildern so schön anzuschauen. Ich ärgere mich ein wenig, dass wir ihn vermutlich nicht sehen werden. Okay, wir haben alle Besorgungen gemacht, winken uns ein Taxi und wollen erst einmal Sete Cidades anzusteuern. Je nachdem, wo das Wetter akzeptabel ausschaut, halten wir an. Wir sind zwar keine Wettermimosen, aber alle unsere Klamotten sind klamm oder nass. Ein Tag ohne Regen wäre ideal. Es fängt alsbald an zu regnen und wird, je höher wir kommen, stärker. Wir hoffen auf Schutz in der Caldeira, die ja auf 300m Höhe liegt. Der Fahrer bringt uns für 20 Euro gleich bis nach Sete Cidades zum Campingplatz. Vom Campingplatz hatten wir vor der Reise viel im Netz gelesen. Einfach ausgestattet und ohne Gebühren. Das war okay für uns. Wir wollen den einen Versuch noch wagen, auf einem Campingplatz zu übernachten. Es ist das Grauen. Warum? Müll über Müll, verbrannter Baumstumpf hier, frische abgebrochene Äste da, zerstörte Steinmauern, da die Steine für Feuerstellen genutzt werden, ekelerregende Sanitäranlagen.

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Wer macht sowas? Wir können uns kaum vorstellen, dass das nur Touristen machen.
Okay, wir haben keine Wahl und bauen das Zelt in einer Ecke auf, die noch akzeptabel ist.

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Wir räumen den Müll beiseite, richten die Feuerstelle ein wenig her und sammeln Holz im nahegelegenen Wald. Das Zelt steht schnell, Klamotten trocknen im Wind. In der Caldeira regnet es nicht mehr beständig, aber ab und an werden auch wir nass. Mittlerweile ist es schon 17 Uhr, ich beginne im Freien essen zu machen und nebenbei das Feuer anzubekommen. Auf einmal erwischt uns ein Schauer, wir sind nur 3m vom Zelt entfernt, aber am Ende klitschnass. Wow, nun wird’s eng mit trocknen Klamotten. Kochen im Zelt, Essen im Zelt, Geselligkeit im Zelt. Was gibt es schöneres. Es regnet sich nun ein und wird auch bis zur Dämmerung nicht mehr aufhören. Wie sieht der Plan für morgen aus? Irgendwie ist ein wenig die Luft bei uns raus. Morgen werden wir wohl das Zelt mal hier stehen lassen. Da es kein Wildplatz ist, würde diese Option passen. Eine Wanderung in der Caldeira wäre eigentlich mal was chilliges. Okay, guter Plan. Hoffentlich spielt morgen das Wetter mit. Ab ins Bett!
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Re: 3 Wochen Azoren Trekking TE-FL-CO-FA-SJ-SM mit Kind

Beitrag von elbspitze.de » 24.10.2013, 12:33

Tag 18 soll unser erster Tag werden ohne routinemäßigen Zeltabbau. Wir frühstücken ganz in Ruhe, es ist trocken, windstill und bewölkt. Mit einem etwas mulmigen Gefühl lassen wir unsere Casa allein und ziehen mit dem Buggy und bisschen Proviant los. Wir haben kein Ziel, keinen Plan. Jedoch haben wir einen neuen Freund. Ein Nachbarshund leistet uns seit dem Frühstück Gesellschaft und folgt uns nun auch auf der Wanderung. Wir taufen sie Tilla. Wir umrunden den Campingplatz, der sehr weitläufig ist und teilweise in Terrassenform gebaut wurde.

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Wir steuern den Lagoa Verde an und spazieren auf einem Schotterweg an
diesem entlang. Es wird wärmer, die Wolkendecke durchlässiger. Tilla folgt uns nun schon seit 4km

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Der Weg endet im Süden des Sees in einer Sackgasse, aber hier hätte man auch tolle und wesentlich saubere Möglichkeiten gefunden, das Zelt aufzuschlagen, dann aber nur für eine Nacht. Man hätte hier Keinen gestört. Beim nächsten Mal wissen wir es besser. Tilla ist fremdgegangen und folgt anderen Touristen. Vielleicht haben wir nicht permanent Nahrung zugeführt. Wir haben aber auch nicht so viel dabei. Wir gehen zurück und wollen am Ostufer des nördlich gelegenen Lagoa Azul entlang um dann ein wenig im Grad zu chillen. Die Wolkendecke reißt auf und die Sonnenstrahlen kitzeln unsere Haut. Zurück an der Brücke, die die beiden Seen teilt, erblicken wir Tilla beim Betteln an Touristenautos. Wir passieren auf Zehenspitzen um die Aufmerksamkeit nicht wieder zu erlangen. Ab und an kommen immer wieder Touristen mit ihren Mietwagen hier hinunter, Wanderer sehen wir keine. Am Ostufer des Lagoa Azul heißt es Pause. Keiner von uns hat heute den großen Elan. Irgendwie ist die Luft raus. Man hätte zwischendurch mal einen Tag Pause einplanen können um auf die Dauer aktiv zu bleiben. Der Tag heute tut uns gut und Täve auch. Wir haben keinen Zeitdruck, der Kleine kann auf dem Weg tun und lassen, was er will. Während Yvi in der Sonne tanzt, schlendere ich am Ufer entlang. Ich sehe viele tote Hummer, teilweise bis zu 15cm groß. Wow, krasse Show. Auf einmal stehe ich im sumpfigen Übergang und es wimmelt so von Hummern, aber lebenden. Was machen die hier? Ihren Panzer abstreifen, sich paaren, Eier ablegen? Sie verkriechen sich entweder in Erdlöchern oder kämpfen gegeneinander. Es ist so interessant anzuschauen. Das stand in keinem Reiseführer und ist doch was so tolles.

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Nachdem ich Yvi davon in Kenntnis setze, hat sie spontan keinen Bock mehr,
sich im Gras zu sonnen. Täve hat sich meiner Erkundungstour schon längst
angeschlossen und zeigt keinen Respekt gegenüber den aggressiven Scherentieren.
Das Wetter am Caldeirarand scheint nicht das tollste zu sein. Hier unten aber können wir glücklich sein.

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Uns zieht es zurück zum Zelt, wir gehen einen Umweg über den Ort Sete Cidades. Von weiten sieht er hübsch aus. Diesen Charme verliert der Ort auch nicht. Idyllisch am See gelegen, Einheimische sitzen am Wegesrand uns bestaunen unseren Buggy. Immer freundlich grüßen wir und Täve winkt. Im Minimercado des Ortes kaufen wir noch kleine Sachen für heute Abend und morgen früh ein. Wir haben uns entschieden, morgen das Wetter entscheiden zu lassen. Bei schönem Wetter ab zum Lagoa Empadadas, bei schlechtem Wetter an die Südküste. Wir trauen unseren Augen kaum, zwei Wanderer mit Kraxen kreuzen unseren Weg. Sie steuern eindeutig das Camp an. Los hinter her! Tatsächlich und sie haben auf dem weitläufigen Gelände ihr Zelt direkt neben unserem aufgebaut. Aus der Ferne erkennen wir Meru-Equipment. Wir grüßen auf Deutsch. War ja mal wieder klar. Die beiden Herren sind nicht gerade gesprächig, halten sich im Zelt auf und gehen gegen 18Uhr zu Bett. Wir sitzen allein am Lagerfeuer und sind traurig darüber. Wir hätten gern mit Gleichgesinnten Erfahrungen ausgetauscht. Schade. Das einzige Mal auf den Azoren sitzen wir am Feuer, aber nur der Romantik wegen, warm ist es abends immer. Heute regnet es nicht, wir kochen draußen, Täve tanzt ein uns nicht bekanntes Ritual ums Feuer. Er macht uns Angst, wir schicken ihn lieber ins Bett. Komisch, wir sind heute nur 14km ohne Gepäck gelaufen, aber dieses Herumschlendern und Spazierengehen strapaziert Einen mehr als straffes Wandern. Gute Nacht!

19.Tag..Das Wetter zeigt sich auf Sao Miguel so typisch wie es für die Azoren nur sein kann. Wechselhaft und unberechenbar. Ich kann damit leben. Yvi nur insofern, dass sie ihre Hoffnungen immer auf besseres Wetter an der Küste setzt. Damit sind wir aber auch stets gut gefahren. Also heißt es auch heute wieder, ab zur Küste. Lagoa Empadadas , wir kommen wieder. Frühstücken, getrocknete Klamotten packen, los geht’s. Wir haben keine Wahl und müssen erst einmal aus der Caldeira raus. Wir folgen einen Weg Richtung Süden, der kürzeste und schmerzvollste. Es sind knappe 300Hm zu bewältigen. Der einzige Lichtblick ist die Info von Yvi, dass da oben auf der Kuppe DER Aussichtspunkt schlechthin ist- Vista do Rei. Zum Glück will Täve den Weg aus eigener Kraft bewältigen. Neben einer Steigung von über 25% bremst mich die Wegbeschaffenheit in meinem Tatendrang aus. Schlamm, Geröll, Wurzeln und Äste. Das Wetter der letzten Tage hat gute Arbeit geleistet. Die Luft ist feucht, aber es regnet nicht mehr. Die Aussicht ist nahe, der Anblick ein Horror. Wir sind nicht die Einzigen, die gelesen haben, dass es der schönste Ausblick hier sein soll. Autos über Autos, Verkaufsstände. Der Tourismus ist zum Glück nur bis hierhergekommen. Es gibt sogar Leute, die bleiben im Auto sitzen und fotografieren die Landschaft. Wow, „schaut her, hier war ich im Urlaub“ Nicht nachvollziehbar: Die meisten Autos fahren wieder runter an die Küste. Der Ausblick auf die Caldeira soll fürs Erste reichen.

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Versuche, hier mit dem Tourismus richtig Asche zu machen, sind fehlgeschlagen,
sicher auch aus dem Grunde, weil hier oben nicht das typische Urlaubswetter herrscht.
Eine Hotelruine am Rande der Caldeira. Was wird wohl aus der werden?

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Nachdem ich mich frisch gemacht habe und wir einen Zwischensnack zu uns genommen haben, geht’s auf der anderen Seite genauso steil wieder runter. Wir schlängeln uns durch urwaldähnliche Landschaft auf roten Erdwegen. Wie im Amazonasgebiet. Bald wird die Vegetation ärmer, das eröffnet uns den Fernblick über die Küstenlinie. Herrlich, dort unten scheint die Sonne beständig, hier oben noch mit ein paar Wolken. Wir wollen erst einmal Feieiras ansteuern. Täve ist heute extrem engagiert, er will seinen eigenen Rucksack tragen. Toll, warum erst jetzt?

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Dort hatte ich einen möglichen Platz ausgemacht, der am Meer liegt. Ansonsten ist der Küstenteil von Steilküste durchsetzt und ein Baden im Meer unmöglich. Nach 14km erreichen wir zeitig am Nachmittag eine Stelle, die direkt am Meer liegt. Es ist ein altes verfallenes und verlassenes Meeresschwimmbecken zwischen Biscoito und Feiteiras.

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Ein Steilweg führt uns nach unten. Außer uns werden sich nur noch Angler hierher verirren. Wieder einmal sind wir von der vermüllten Landschaft enttäuscht. Nein, es können keine Touristen sein, denn die bringen keine leeren Säcke Pestizide mit hierher. Sao Miguel ist dermaßen verdreckt, dass wir auch hier erst wieder nach einem sauberen Platz suchen müssen um diesen dann noch zusätzlich vom Dreck zu befreien. Eigentlich wollte ich hier nicht im Urlaub die Stadtreinigung spielen.

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Der Platz ist super gewählt, etwas abseits und mittlerweile sauber. Während ich den Platz herrichte, darf sich Yvi mit der Kraxe noch ein letztes Mal zu einem Mercado quälen. Heute ist die letzte Nacht im Zelt angesagt. 1 Std später ist sie wieder zurück, ich bin auch fertig und wir gehen zum Meeresschwimmbecken baden, sonnen und mit Täve die Wasserwelt erkunden. Das Wasser ist sehr fisch- und abwechslungsreich. Am Zelt genießen wir die untergehende Sonne, es ist warm, wir lassen bereits jetzt den Urlaub Revue passieren und haben Mühe alle Übernachtungsplätze chronologisch zu ordnen.

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Die Ostküste erstrahlt im warmen Sonnenlicht. In die Richtung müssen wir morgen.
Der Weg wird natürlich wieder über den höchsten Punkt gehen. Es werden 300Hm sein.

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Wir essen zum letzten Mal Nudeln im Urlaub, stoßen auf den gelungenen Urlaub mit Wein und Bier an und Täve verabschiedet sich mal wieder selbständig ins Zelt. Er ist heute viel gelaufen und müde. Wir sind stolz auf ihn, er hat immer mit durchgezogen und gehört, wo er sollte. Wir verbrennen wieder die letzten Reste Benzin in der Champidose und gehen kurz vor Mitternacht ins Bett. Gute Nacht
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Re: 3 Wochen Azoren Trekking TE-FL-CO-FA-SJ-SM mit Kind

Beitrag von elbspitze.de » 24.10.2013, 12:58

Dieser 20.Tag startet mit Wehmut. Nebelsuppe und baldiger Abschied von den Azoren lässt die Stimmung in den Keller sinken. Wenigstens regnet es nicht. Im Wind kann das Zelt letztmalig trocknen, nach dem Frühstück bauen wir alles ab und zum Aufwärmen meistern wir die Stichstraße hoch zur Dorfstraße. Eine Weile müssen wir nun durch den Ort Feteiras laufen. Wir haben das Gefühl, beobachtet zu werden. Okay, bald haben wir die lästigen Blicke hinter uns gelassen, wir begehen nun einen Wiesen-Schotter-Dreck-Erde-Steinweg immer an der Steilküste entlang mit Ziel Ponta Delgada. Der Weg ist beschwerlich zu gehen, wir kommen nur langsam voran.

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Heute wechseln wir wenig Wort, ich für meinen Teil genieß die letzten Kilometer zu Fuß, das Wetter ist mir egal, Yvi dagegen nicht. Wir pausieren unterwegs, doch im Wind und Nebel halten wir es nicht lange aus. Es ist ein wenig frisch. Irgendwann erreichen wir wieder festen Boden unter den Füßen. Es ist nicht mehr weit, nur noch 6km an der Landebahn vorbei und nach mehreren kleinen Pausen erreichen wir unser Hotel Vintage Place Azorean Guest House im westlichen Teil Ponta Delgadas. Wir ordern für den nächsten Morgen gleich ein Taxi an der Rezeption und checken ein. Die Unterkunft ist ein Mix aus Appartement und Hotel. Die Zimmer sind individuell gestaltet, wir bekommen eines davon ebenerdig gelegen. Es gibt eine Küche zum Selbstkochen, aber davon haben wir genug. Nachdem wir uns wieder an die Zivilisation angepasst haben, wollen wir an den Hafen chic Essen gehen, uns bedienen lassen. In der Stadt und am Hafen ist trotz des schlechten Wetters viel los. Die Stadt überrennt uns mit Ihrer Größe. Soviel Tourismus, Autos, Hotels und Menschen haben wir lange nicht gesehen, aber wir müssen uns ja wieder daran gewöhnen. Nach dem Essen geht’s wieder ins Hotel, wir müssen zeitig ins Bett, morgen klingelt der Wecker 4 Uhr. Auf der Terrasse leeren wir die alkoholischen Restbestände und gesellen uns zu Täve ins Bett.

Der letzte Tag ist unspektakulär und daher wird der dreiste Taxifahrer das einzig interessante bleiben. Ohne Frühstück packen wir alles, machen uns fertig uns stehen pünktlich vorm Hotel. Man riet uns vom Hotelbus ab, den man hätte für fixe 3 Euro bestellen können, da wir ja so viel Gepäck haben. Dem ist aber nicht so, da der Bus an unserem Hotel hält und andere Gäste mitnimmt. Wir sehen genug Stauraum für unser Gepäck. Der Hotelbus steuert auf Bestellung hin die einzelnen Hotels an und bringt Einen pünktlich zum Flughafen. Wir sollen 9 Euro fürs Taxi zahlen und bekommen dafür Unpünktlichkeit. 4.15 Uhr kommt er angefahren und packt beim Einladen des Gepäcks nur Täves Rucksack an. Wow, auch noch zuvorkommend der Mann. Die Fahrt zum Flughafen dauert keine 10 Minuten, Am Airport meint der Fahrer 10 Euro, ist ja schließlich noch Nachtzuschlag zu erheben. Ich muss mich beherrschen, dass er nicht noch einen weiteren Schlag bekommt. Auf Diskussionen habe ich am frühen Morgen keinen Bock. Wir wissen, dass die Fahrt normalerweise um die 6 Euro kostet, hier geht’s aber ums Prinzip. Faul und unpünktlich, aber korrekt bezahlt werden. Wir checken ein, alles geht fix und bald sitzen wir im Boardingbereich. Es fängt wieder an zu regnen, die Schönwetterperiode scheint vorbei zu sein. Ab nach Hause. Die Sata startet pünktlich gen Frankfurt und irgendwann gegen Abend sind wir dann auch wieder zu Hause am Bodensee. Azoren- wir kommen wieder! Nicht gleich, aber bald…
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Re: 3 Wochen Azoren Trekking TE-FL-CO-FA-SJ-SM mit Kind

Beitrag von elbspitze.de » 24.10.2013, 14:48

FAZIT DIE INSELN
Die Azoren sind so vielfältig und einmalig in ihrer Art. Sie haben uns schon bei der Planung verzaubert. Bilder haben uns inspiriert, dieses Ziel zu wählen. Vor Ort war aber alles schöner, besser, eindrucksvoller als man es je auf Bildern gesehen hatte. Der Weitblick aufs Meer, auf die Nachbarinseln, auf den zurückgelegten Weg und auf den noch kommenden hat uns stets erneut zum Innehalten am Wegesrand bewogen. Auf den Azoren hat man kein Ziel, denn der Weg an sich ist es. Klar war uns von vorn herein, dass wir bestimmte Kompromisse vor Ort treffen müssen. Sei es der Übernachtungsplatz, der Wegeverlauf oder der zeitlich straff geplante Ablauf. Bei 3 Wochen mussten wir alles strikt planen und auch vorneweg buchen. Das hat sich vor Ort super bewährt. Keine zeitraubende Suche nach Verkaufsstellen oder Warten auf die nächste freie Mitfahrgelegenheit. Wir sind ohne portugiesische Sprachkenntnisse auf die Inseln gereist und konnten uns trotzdem verständigen. Mit ein paar Brocken portugiesisch aus dem Wörterbuch beginnt man das Gespräch und versucht dann ins Englisch zu wechseln. Die Landbevölkerung spricht das dann zwar meist nicht, aber mit Händen und Füßen sind wir immer zu einem Ergebnis gekommen. Vor der Reise lasen wir von der Herzlichkeit der Azorianer, die wir nur außerhalb der großen Orte erleben konnten. Wirklich herzlich und hilfsbereit sind die Bauern, die nie was dagegen hatten, dass wir ihre Weiden nutzten. Wenn Einer in der Nähe war, haben wir gefragt oder vorher im Ort Jemanden darauf angesprochen. Mag es am Ende für unser Gewissen gut gewesen sein, aber niemals hat sich auch Irgendeiner beschwert. Wir haben es aber versucht zu vermeiden, im Blickfeld vorbeifahrender Autos oder nahe gelegener Häuser zu zelten.
Jede Insel für sich hat seinen Reiz und Jeder wird sich seine eigene Meinung bilden. Unterm Strich jedoch wählen die Wanderer, Outdoorer und Naturliebhaber meist Sao Jorge, Flores, Corvo und Pico zu ihren Favoriten. Wir waren ein wenig von Terceira enttäuscht, da die Insel trocken war, die Vegetation nicht so üppig. Klar, konnten wir nicht alles sehen und sicher gibt es Sehenswertes auf Terceira, aber mit dem Buggy haben wir trotzdem die Insel gesehen. Sao Miguel war aber unsere größte Enttäuschung, vermutlich, weil diese Insel die touristischste von allen ist. Wir werden diese Insel als dreckig, vermüllt und von Touristen überlaufen in Erinnerung behalten. Jedoch hat die Insel auch einige schöne Ecken wie die Sete Cidades. Faial ist so ein Mittelding. Dort haben wir uns geärgert, dass wir die Caldeira nicht sehen konnten und sicher gibt es noch mehr zu sehen. Wir werden bestimmt wiederkommen. Sao Jorge hat uns trotz des Wetters echt begeistert. Einmalig liegt sie wie ein Strich im Meer, schmal- lang- steil. Die Fajas üben dabei unserer Meinung nach den größten Reiz aus. Beim Höhenweg scheiden sich die Geister. Mir gefiel er sehr, Yvi meinte, dass es schönere Dinge gibt. Bei schönem Wetter hätte sie sicher anders geurteilt. Ja und dann wären da noch die Westazoren, die man in einem Atemzug nennen kann, weil sie für uns auf einer Stufe stehen. Flores und Corvo waren echt die schönsten Perlen dieser Azorenkette. Flores grün, üppig, Seen, Flüsse, Caldeiras..einfach zum Verlieben. Wenn uns jedoch mal Jemand fragen würde, was wir für den schönste Augenblick gehalten haben, dann gibt es nur eine Antwort: Caldeira von Corvo. Alles an diesem kleinen Stein im Atlantik ist so verzaubernd. Der kleine Ort Vila Nova, die Überschaubarkeit, die Gelassenheit, die Abgelegenheit…einfach alles. Wir können es nicht glauben, dass der Großteil nur für einen Tag bleibt. Nein, hier muss man übernachten. Soviel zu den Azoren.


FAZIT DIE ART ZU REISEN

Viele fragen sich, ob wir uns es so vorgestellt haben wie es am Ende verlaufen ist. Ich würde meinen, dass wir 80% der Planung bewältigen konnten, der Rest musste improvisiert werden, mithilfe des Navis kein Problem. Es wurden Umwege in Kauf genommen, Tage und Routen getauscht um auf das Wetter operativ zu reagieren. Das war anfangs nicht geplant, aber man sollte immer eine Ausweichtour in petto haben. Die Wahl, den Buggy mitzunehmen, schaffte uns die nötige Freiheit, nicht immer an der gleichen Stelle zu übernachten. Wir brauchten auch keinen Mietwagen. Generell kommt man gut mit Taxis voran, wo man Preise am besten vorher aushandelt. Aufgrund unseres vielen Gepäckes war das Taxi immer erste Wahl, der Bequemlichkeit und Zeitersparnis wegen. Auf Busse ist da weniger Verlass. Der Buggy stellte für uns immer den Lastenesel dar. Schwere Sachen wurden in oder an ihm deponiert. Die eigens dafür konstruierte Ortliebtaschenhalterung hielt auch den Belastungen stand, jedoch sollten sie in Zukunft noch weiter nach vorn verlagert werden. Der Schwerpunkt und ca. 90% des Gewichtes lagen auf der Hinterachse. Die Blattfederung war ausgereizt. Bei der Routenplanung berücksichtigte ich leider nicht immer die zu bewältigende Höhenmeter. Vor Ort wurde mir schnell klar, dass pro Tag 1000Hm die maximale Grenze darstellen, zumal die Wege meist steil gerade hinauf gehen und Steigungen immer jenseits der 10% liegen. Dazu kommt der nicht abschätzbare Untergrund, der Bergaufschieben noch anstrengender macht. Bei Maximalsteigungen war es von Vorteil mit gestreckten Armen und vorgebeugtem Oberkörper zu laufen. Es war entspannender, wenn man noch davon noch reden kann. Uns waren meist die festgefahren Schotter- oder roten Erdwege am liebsten. Auf diesem Belag kam man super voran und nur selten wurde man von Autos belästigt. Wenn wir mal auf Asphaltstraßen ausweichen mussten, stellte dort das Thema Auto jedoch auch kein Problem dar. Der Verkehr ist zu vernachlässigen und nicht störend. Bergab haben wir die Handbremse sehr geschätzt. Ohne wäre es anstrengender als das Bergaufschieben geworden, da 50kg ganz schön nach unten ziehen.
Die Routen wurden so gelegt, dass wir regelmäßig Orte anliefen um Lebensmittel nachzukaufen. Immer für 1-2 Tage als Vorrat. In den Mercados gibt es wirklich alles Nötige. Man vermisst wirklich nichts, nur die Auswahl ist geringer. Für Kaffeeliebhaber sei anzumerken, dass der Kaffee dort vorzüglich schmeckt. Den gibt es gemahlen in einer vakuumverpackten goldenen Verpackung (Name ist mir entfallen!) Auch das Brot und die Brötchen sind essbar, das Fleisch schmeckt extrem lecker. Sagres gibt es in 250 bis 1000ml Flaschen. Komische Größen haben die da, aber man gewöhnt sich an alles. Gekocht wurde dann immer mit Benzin, Tankstellen gibt es entweder in der Nähe jeden Airports oder man muss aufs Navi schauen und dies vorab planen. Wir sind mit 1.5L aber gut 5 Tage hingekommen und haben früh und abends gekocht inkl. Wasser abkochen.
So wie wir das Verstauen des Gepäcks geplant hatten, funktionierte es auch auf der Tour. Klamotten in meinen Rucksack, Zelt und Rets bei Yvi. So waren die Rucksäcke wirklich erträglich. Prophylaktisch wurden dann auch immer die Regenhüllen auf den Säcken gelassen. Zu wechselhaft das Wetter. Täve wollte ab und an laufen, wenn es eben oder bergab ging. Bergauf war es für mich eine Entlastung, aber da wollte er meist im Buggy sitzen. Mit dem Buggy hat man viele Möglichkeiten der Lastenverteilung. Bspw. kam mein Sack in den Buggy und Täve auf die Schultern. Es gab so auch Abwechslung für den Kleinen. Bei kurzen unwegsamen Passagen konnte man auch separat die Ortliebtaschen schleppen um dann Buggy und den Rest nachzuholen. Einzeln ließ sich das Ganze besser manövrieren. Auf jeden Fall sollte man auch Werkzeug, Pumpe und Schläuche mit dabei haben. Wir hatten zwei Platten, die Lavasteine sind teilweise spitz und bohren sich gern in die Mäntel. Der Bugyy stand am Zelt dann immer dem Wetter ausgesetzt, aber mit einem Poncho abgedeckt. Der hat ihn vor dem gröbsten bewahrt. Alles in allem können wir diese außergewöhnliche Art zu reisen nur empfehlen, wenn man den Schritt mit einem Kleinkind wagt um ihm die Natur und Freiheit näher zu bringen. Zu keinem Zeitpunkt hatten wir das Gefühl, dass dem Kleinen langweilig war. Im Gegenteil. Er war stets voller Tatendrang und am Abend todmüde. Die frische Luft, der Aktionismus und die Impressionen trugen dazu bei.

FAZIT DAS WETTER

Das Wetter ist der Scharfrichter schlechthin, ob ein Urlaub schön oder mistig wird. Natürlich gibt es kein schlechtes Wetter, sondern nur schlecht gekleidete Leute, aber seien wir ehrlich. Wer wandert schon gern im Nebel bei Regen und Starkwind? Ich will ja was von der Landschaft sehen. Die Azoren stellt man immer als die Wetterküche dar, dabei würde ich meinen, dass ich in Skandinavien auch schon schlechteres Wetter gehabt habe, aber davon spricht Keiner. Die Azoren haben einen großen Vorteil. Egal, wie schlecht das Wetter ist, es sind immer angenehme Temperaturen. Ich würde meinen, auch auf dem 1000m hohen Weg auf Sao Jorge lagen die Temperaturen über 15 Grad, es reichte ein Langarmshirt. In der Nacht senken die Temperaturen auch nicht tief in den Keller. Ich habe immer auf dem Schlafsack geschlafen, nachts um die 15-20 Grad keine Seltenheit. Wenn jedoch mal die Sonne rauskommt, dann brennt sie richtig auf der Haut. Also Sonnencreme muss so oder so ins Gepäck. Für Schattenwanderer wie mich waren aber die heißen Tage kein Problem. Im Schatten findet man schnell Abkühlung, eine leichte Brise weht immer. Da wir immer abwechselnd an der Küste und in den Bergen unterwegs waren, haben wir bald mit bekommen, dass die Küsten meist besseres Wetter haben, in den Bergen hängen sich die Wolken fest, es regnet sich ab. Dafür sind aber die Küsten erschlossener, die Einsamkeit findet man in den Bergen. Was wollt Ihr also? Generell kann man in der Ferne schon immer ein wenig prognostizieren, wie das Wetter werden wird, aber verlassen sollte man sich nicht. So schnell wie die Sonne kommt, geht sie auch wieder und es hagelt mal kurz. Danach dampfen die Straßen, weil die Sonne wieder raus kommt. Es lohnte sich für uns also gar nicht, eine Regenjacke überzustreifen. Entweder kam der Regen zu schnell oder die Sonne hatte uns bereits wieder getrocknet. Desöfteren war es morgens noch ein wenig bewölkt, kam aber die Sonne langsam über die Berge, zog es auf und es wurde schön. Wir konnten Anfang September eine Schönwetterperiode erleben, die bereits seit August anhielt. Sowas gibt es auch, aber darauf sollte man sich nicht verlassen. Rechne also mit dem schlimmsten, erwarte alles Mögliche und genieße das schöne Wetter intensiv. Es kann kurz sein, schnell gehen und bald wiederkommen, aber wann, weiß Keiner. Jedoch spricht noch eines für die Azoren. Man wird selten lange Schlechtwetterperioden und Regenwochen erleben, das ist doch mal was oder?

TIPPS
- Verzichtet auf einen Katadynfilter und kocht das Wasser ab, das reicht alternativ gibt’s 5L Kanister im Supermarkt, verlasst
Euch nicht auf Seen und Flüsse, die können auch mal alle ausgetrocknet sein, am Wegesrand gibt es meist entlang der
Steinmauern Wasserhähne für die Bauern, die sind auf der Karte nicht eingezeichnet, Quellen und Brunnen sind dagegen
teilweise nicht mehr nutzbar und versiegt
- wenn Ihr idyllisch Zelten wollt, verlasst Euch nicht auf die offiziellen Camps, wir werden sie
zukünftig meiden und lieber weitergehen und nach sauberen Plätzen suchen
- die meisten Orte haben öffentliche Toiletten und manchmal auch Duschen, dort gibt es Wasser
- Wenn Ihr Benzinkocher nutzt, ist die Verbrauchsmenge schlecht abzuschätzen, im Flieger darf man aber nichts mitnehmen, also
dient eine alte Champidose als künstliches Lagerfeuer, so hat man abends noch Licht und eine Dose hält locker 2 Stunden
- Nehmt den Kocher und die leere Flasche immer im Handgepäck mit, so könnt Ihr mit den Leuten an der Sicherheitskontrolle ggf.
diskutieren, wir hatten aber nie Probleme
- die Barbecueplätze sind durchaus als Camps nutzbar, einfach im Ort Einheimische fragen
- als Stromquelle hatten wir ein Solarpanel mit, sehr hilfreich zum Laden der Akkus,
aber es gibt auch immer Batterien in den Mercados, auch wenn sie noch so klein sind
- An den öffentlichen Toiletten oder Barbecueplätzen sind die Steckdosen sehr nützlich zum Laden
von Akkus etc. (sind deutsche Steckdosen!)
- Mückenspray braucht man nicht, dafür Sonnencreme mit ordentlich LSF von 20
- Die Camelbak Trinkblase ist immer wieder Gold wert, man kommt schnell ans Trinken ran und kann regelmäßig trinken, übrigens
auch für Täve super geeignet
- Taxifahrer sind selten pünktlich, plant das akademische Viertel ein
- Nehmt Euren Müll wieder mit, den Ihr beim wild Zelten fabriziert habt, an jeder Ecke steht ein Mülleimer oder Ihr werft es in die
Sammeltonnen, die am Wegesrand in den Orten stehen
- Die Azorianer sind extrem kinderfreundlich, wenn Ihr mit Kind reist, nutzt es als Waffe
Täve hat stets den Leuten gewunken, gegrüßt und gelacht, so war das Eis schnell getaut
- Wenn Ihr mit Portugiesisch nicht weiter kommt, es gibt immer Jemanden im Ort, der Englisch spricht und Euch helfen kann
- Habt immer ein Handy dabei, es funktioniert fast immer; an den Airports ist WLAN kostenlos
- bei der Planung der Routen beachten, dass die gestrichelten Wege Pfade oder Wanderwege sind, mit dem Buggy nicht machbar,
dagegen sind durchgezogene Linien, sog. Fahrwege gut machbar und nicht schlechter von der Landschaft her

So abschließend sei gesagt, dass mir sicher noch Tipps einfallen werden und ich die Liste noch erweitern werde. Wir hoffen nun auf Nachahmer und Erlebnisberichte von anderen abenteuerlustigen Eltern.

LG JENS
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Re: 3 Wochen Azoren Trekking TE-FL-CO-FA-SJ-SM mit Kind

Beitrag von DoubleTT » 17.06.2018, 06:48

Wahnsinnig guter Reisebericht! Hut ab, dass ihr das mit Kind so gut hinbekommen habt. Wann geht die nächste Reise auf die Azoren?

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Re: 3 Wochen Azoren Trekking TE-FL-CO-FA-SJ-SM mit Kind

Beitrag von elbspitze.de » 17.06.2018, 08:00

Naja, wie du in der Signatur erkennen kannst, waren die Azoren nur der Auftakt zu weiteren Abenteuerreisen. Jedoch haben wir dort gemerkt, dass alles mit Kind möglich ist, wenn man nur will. Richtig gefallen haben uns nur die westlichen Azoren und ein Teil der mittleren. Ob wir wiederkonmen werden, vielleicht im hohen Alter nochmal :)
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