Große Spritztour für zwei Spritzen

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hjh
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Große Spritztour für zwei Spritzen

Beitragvon hjh » 09.12.2016, 20:37

Mein Facharzt in Deutschland hat mir zwei Depotspritzen verordnet, die ich in regelmäßigem Abstand subkutan injiziert bekommen soll. Ich nahm also die beiden sehr seltenen Medikamente mit auf die Azoren und wollte sie dort gespritzt bekommen. Woran ich aber nicht gedacht hatte: Einen Arztbericht mitzunehmen oder ein genutztes Rezept.

Vorab ein kleiner Hinweis: Auf den Azoren nennt man die Krankenhäuser Hospitäler und die Praxen sind in sogenannten Kliniken, Clinicas, in denen in der Regel mehrere Ärzte verschiedener Fachrichtungen gemeinsam praktizieren. Fachärzte gibt es nur in der Stadt, für mich in Ponta Delgada, 20 km von meinem Wohnort entfernt.

1. Versuch
Ich orientierte mich im Internet. Eine große Klinik lag für mich sehr günstig und hatte auch einen Facharzt der von mir gebrauchten Richtung. „Nein, der ist nicht mehr bei uns und einen Nachfolger haben wir auch noch nicht.“ Also Fehlanzeige und die nächste Klinik gesucht.

2. Versuch
„Sprechstunden ab 14 Uhr“ stand dort. Und es war erst 11 Uhr. Also noch in der Stadt die Zeit vertrieben. Um 14 Uhr stand ich erneut vor der verschlossenen Türe und wartete bis 14.30 Uhr. Nichts tat sich.

3. Versuch
Versuche ich es doch einmal im neuen Gesundheitszentrum, einem sehr großen Geböude zwischen Autobahn und Krankenhaus. Innen durchgefragt und Ziel erreicht. „Nein, das geht nicht. Es sei denn, Sie haben eine Verordnung.“ Nein, hatte ich nicht. „Dann können wir Ihnen die Spritzen nicht geben.“

4. Versuch
Zurück zur Facharztklink. Erfreulich, sie war jetzt geöffnet. Doch die Sekretärin erklärte mir, der Facharzt sei im Urlaub. „Versuchen Sie es doch im Hospital!“ Sie war so nett, telefonierte für mich und machte für mich einen Termin zur Mittagszeit drei Tage später bei einem anderen Facharzt aus.

5. Versuch
Nach drei Tagen bin ich dann wieder in die Stadt gefahren. Im riesigen Komplex des Hospitals durchgefragt, bis ich die Ambulanzpraxis des Arztes gefunden hatte. „Haben Sie eine Überweisung?“ Nein hatte ich nicht, aber einen Termin. „Eigentlich brauchen Sie die Überweisung unbedingt!“ „Ich bin aber Privatpatient!“ – „Egal. Na dann nehmen Sie mal Platz und warten!“ Auf den Stühlen geduldeten sich zahlreiche Patienten, bis sie an die Reihe kamen. Nach eineinhalb Stunden waren wir die letzten und wurden hereingerufen. Eine Krankenschwester erklärte uns, wir könnten wegen der fehlenden Überweisung nicht behandelt werden.
„Ja dann lassen sie mich doch bitte zur Untersuchung zu Ihrem Facharzt!“ – „Nein, das geht nicht, der ist jetzt zu beschäftigt. Suchen sie ihn doch bitte in seiner Privatpraxis auf. Seine Sprechstunde beginnt dort um 13.30 Uhr.“

6. Versuch
Um 13.45 Uhr war ich dort. Aber noch nicht der Facharzt. „Warten Sie bitte, der kommt erst um 14.30 Uhr." Gewartet. 14.30 Uhr, 15 Uhr, 15.30 Uhr. Nichts tat sich. Endlich um 16.10 traf er ein. Ein Patient, der nach mir gekommen, wurde zuerst hereingebeten. Wahrscheinlich hatte er einen Termin vor mir und ich wurde nur „dazwischengeschoben“.

7. Am Ziel
Endlich um 16.30 Uhr wurde ich aufgerufen. Kurzes Gespräch, dann die Injektionen. Ein paar freundliche Worte. „Das macht 20 €.“ Die Sekretärin brauchte einige Zeit, bis sie mir die Rechnung ausgestellt. „Boa tarde!“ – „Auf Wiedersehen!“
Geschafft. Aber ich bin es auch.
hjh

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