Reisebericht Azorenrundreise 17.05.-03.06.09

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Randfichte
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Reisebericht Azorenrundreise 17.05.-03.06.09

Beitrag von Randfichte » 08.06.2009, 13:39

Liebe Azorenfreunde,

da ich mich im Vorfeld unserer relativ kurzfristig geplanten Azorenreise vom 17.05.-03.06. viel in eurem Forum belesen und wertvolle Anregungen mitgenommen habe, möchte ich hiermit allen Lesern einen kleinen Reisebericht und meine ersten Azorenerfahrungen zur Verfügung stellen.

In den 17 uns zur Verfügung stehenden Urlaubstagen besuchten wir 3 der 9 Azoreninseln nach folgendem Reiseplan:

17.05.-20.05.: Sao Miguel – Unterkunft „Moinho da Bibi“ in Candelaria
20.05.-24.05.: Faial – Unterkunft „Casas d’Arramada“ in Ribeira Funda – 1 Tagesausflug Pico
24.05.-28.05.: Flores – Unterkunft „Aldeia Cuada“ in Faja Grande
28.05.-03.06.: Sao Miguel – Unterkunft 3 Tage „Moinho Passal“ in Faial da Terre, 3 Tage „Quinta Santana“ bei Ribeira Grande.

Ich denke, ein solcher (oder ähnlicher Reiseplan) ist für eine ca. 17-tägige Reise zweckmäßig, und sicherlich auch für andere Azoren-Neulinge empfehlenswert. Wie bereits mehrmals im Forum geschrieben, sollte man selbst für die kleinen Inseln wenigstens 3-4 Tage Zeit mitbringen und bedenken, daß geplante Ausflüge zuweilen auf Grund der häufigen Wetterumschwünge wiederholt werden müssen.
Für Sao Miguel sind 7 Tage ein Minimum! Unsere Entscheidung, auf Sao Miguel 3 verschiedene Unterkünfte in 3 verschiedenen Teilen der Insel (1 x Inselosten, 1 x Inselwesten, 1 x Inselmitte) auszuwählen hat sich ebenfalls bewährt und ersparte uns lange Fahrtstrecken.

Ich muß wohl nicht erwähnen, daß eine Reise auf die Azoren schon allein durch die überwältigende Naturschönheit der Inseln gerechtfertigt wird. Wir haben die Caldeira von Faial umrundet, bei strömendem Regen ein Bad in den 38° warmen Quellen von Furnas genommen, die rauschenden Wasserfälle und die schroffen Steilküsten von Flores bewundert, das karge Hochland von Pico erkundet und an den traumhaften Aussichtsplätzen von Nordeste auf Sao Miguel gepicknickt. Am Ponta dos Capelinhos verjagten uns kreischende Möwen von ihren Brutplätzen, die traumhaften Ausblicke während unserer Westküstenwanderung auf Flores teilten wir nur mit den allgegenwärtigen Azoren-Kühen und während der Fährüberfahrt auf die Insel Pico begegneten wir sogar einem fliegenden Fisch!

Und auch der kulturelle Aspekt kam auf unserer Reise nicht zu kurz, brachte uns doch unsere mutige Entscheidung zur Vorsaison den Vorteil, daß einige der größten azoreanischen Feste und Prozessionen in unsere Urlaubszeit fielen. Gleich bei unserer Ankunft in Ponta Delgada am 17.05., konnten wir die 4-stündige Prozession zum Festa dos Santo Cristo dos Milagres („Fest der Wunder“), dem bedeutendsten Fest der Azoreaner erleben. Eine Woche später feierten wir in Horta mit den Einheimischen das Augustias-Fest und noch eine Woche später, wieder zurück auf Sao Miguel, begeisterten uns die großen Pfingstfeiern und der „Animal Day“ in Vila Franca do Campo.

Aber eigentlich begann unser Azorenerlebnis schon viel früher, nämlich bereits beim Verlassen der Gepäckausgabehallen auf den kleinen Inselfughäfen. Da winkten nämlich jeweils 2 Schilder mit unseren Namen darauf, eins in der Hand des Autovermieters, das andere in der Hand unserer Gasteltern, welche es sich anschließend nicht nehmen ließen uns persönlich bis zu den Unterkünften zu begleiten. Diese Begrüßung, die uns ohne vorherige Absprache AUF JEDER EINZELNEN INSEL zuteil wurde, hat dazu beigetragen, daß wir uns überall sofort willkommen und wie zuhause fühlten. Wir sind schon viel herumgekommen, aber solch eine gastfreundliche Begrüßung haben wir noch nirgendwo auf der Welt erlebt.

Alle besuchten und vorab privat gebuchten Unterkünfte verdienen unser allerhöchstes Lob und haben im wesentlichen dazu beigetragen, daß unser Azorenurlaub zu einem unvergeßlichen Erlebnis wurde. Besonders hervorheben möchten wir dabei die Aldeia Cuada auf Flores, welche wie die gesamte Insel ein Paradies ist. Alle unsere Unterkünfte waren mit kleinen Küchen und Grillmöglichkeiten ausgestattet, bisweilen wurde auch Frühstück bzw. Abendbrot angeboten. So ließen wir manchen Urlaubstag gemütlich mit Pico-Wein und gegrilltem Stockfisch in herrlichster Umgebung ausklingen, begleitet vom allgegenwärtigen Krächz-Gesang des Cagarro (Gelbschnabelsturmtaucher) und dem Tosen der Brandung.

Auch der Wettergott hat es gut mit uns gemeint - zwar haben wir berühmten „4 Jahreszeiten an einem Tag“ fast täglich kennengelernt, und viele azoreanische Regenbögen bewundert, aber trotzdem schien bei angenehmen 20°C meistens die Sonne und wir konnten sogar einmal in den kühlen Fluten des Atlantiks baden.

Von den Einheimischen erfuhren wir, daß seit vielen Wochen der Regen auf den Inseln (insbesondere auf Flores) fehlt. So konnten wir auf unseren vielzähligen Wanderungen ausgetrocknete Flußbetten, gelbgrüne (anstatt sattgrüne) Wiesen und nur leise vor sich hinplätschernde Wasserfälle beobachten. Auch die typisch azoreanische Blütenpracht zeigte sich uns leider nicht in voller Intensität. Was uns überrascht hat: die Hortensien blühten schon. Während uns bei unserer Ankunft auf Sao Miguel nur einzelne weiße Blüten ins Auge fielen, säumten bei unserer Abreise schon prächtige weiß-, blau- oder lilablühende Hortensienbüsche die Straßen.

Leider hatten wir auf den Azoren nicht das Glück, einem Wal in freier Natur zu begegnen. Der erste Versuch auf Pico scheiterte daran, daß sich zwar vielzählige Delfinschulen aber leider kein einziger Wal blicken ließ und der zweiten Versuch auf Sao Miguel fiel sprichwörtlich ins Wasser: 4 Tage keine Whale-Watching-Touren aufgrund stürmischem Seegangs. Ein weiterer Grund, die Azoren schnellstmöglich wieder zu besuchen.

Und nun ist er schon wieder zuende, unser langersehnter und wunderschöner Urlaub auf den Azoren und sehnsüchtig blicken wir dem nächsten entgegen. „Glad to be here, sad to leave“, sagt eines der vielen bunten Gemälde am Yachthafen von Porta, illustriert mit einem lachenden und einem weinenden Clown. Es spricht uns aus dem Herzen.

Die Inseln, ihre wunderschöne Natur, und vor allem die außerordentliche Gastfreundlichkeit der Einheimischen haben bleibende Eindrücke in unseren Erinnerungen und unseren Herzen hinterlassen. Die Azoren sind eines der letzten Paradiese dieser Erde. Wir werden wiederkommen.

Sindy und Jörg aus Sachsen

klee
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Beitrag von klee » 08.06.2009, 18:32

Hallo ihr beiden,

das klingt toll und genau nach dem, was ich auch bei meinem ersten Besuch auf den Azoren erlebt habe. Es hat mich sehr gefreut, euren Bericht zu lesen.

Nur solltet ihr noch etwas genauer definieren, was ihr im speziellen mit "4 Jahreszeiten an einem Tag" meint. Geschneit hat es ja sicherlich nicht und kalt war es hoffentlich auch nicht. Und wenn seit Wochen der Regen fehlt, kann es ja auch nicht viel geregnet haben. Oder jetzt doch?

Danke für Aufklärung ;-)

LG klee

Ze
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Beitrag von Ze » 08.06.2009, 22:02

Warum sollte es keinen Schnee gegeben haben?

Diese Aufnahme ist aus einem Januar auf Faial (Sicht von Flamengos)

Bild

:roll: :roll: :roll:

LG
Ze

klee
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Beitrag von klee » 08.06.2009, 22:18

Hallo Ze,

klasse Foto, das ich Dir da jetzt entlockt habe ;-)
Ich habe auch schöne von Flores mit Schnee gesehen.

Hast Du auch Bilder von Schnee im Mai?
:D :shock: 8)

Also hier schifft es grad, was das Zeug hält, bei euch auch?

LG klee

Randfichte
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Beitrag von Randfichte » 09.06.2009, 07:45

Hallo Klee und liebe Mitlesende,

vielen Dank für deine Antwort, schön das dir der Reisebericht ein bißchen gefallen hat.

Zu deiner Frage, hier ist die Aufklärung:

Auf Flores gab’s vorwiegend Sonne, auf Sao Miguel vorwiegend Regen, auf Faial waren wir einigen Stürmen ausgesetzt und auf der Spitze des Pico lag Schnee:-)) Fotos von allen genannten Wettererscheinungen folgen demnächst:-)

Insgesamt war das Wetter ziemlich wechselhaft, aber IMMER mit sonnigen Abschnitten. Es gab fast täglich Schauer, aber nur kurze quere Azorennieselduschen, keinen ergiebigen Regen. Zu jedem Zeitpunkt konnte man verschiedenste Wolkensorten am Himmel beobachten, die mit hoher Geschwindigkeit die Insel überquerten. Bei Wanderungen hatten wir immer das kurze Top, aber auch die Regenjacke dabei und die Wahrscheinlichkeit war hoch, daß wir beides brauchten. Die Temperaturen lagen meist um 20°, nach Sonnenuntergang konnte es bisweilen recht kühl werden. Auf Flores herrschte bereits eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit, was das Wandern bisweilen zu einer recht schweißtreibenden Angelegenheit werden ließ. Der Regen, wenn er auftrat, hat unseren Tagesablauf und unsere Wanderungen eigentlich nie beeinträchtigt, so daß wir unser Urlaubswetter auch als insgesamt „schön“ wahrgenommen haben. Als begeisterte Hobbyfotografen waren die Azoren für uns natürlich ein Eldorado, und zwar nicht nur wegen ihrer Naturschönheiten, sondern vor allem auf Grund des typischen Zusammenspiels von Licht und Schatten, der ständig wechselnden Stimmungen, der bizarren Wolkengebilde am Himmel, die sich bisweilen noch in den malerischen Kraterseen spiegelten und der wunderschönen Regenbögen. Alles das hätte es bei einem richtigen konstanten wolkenlosen „Azorenhoch“ wohl nie gegeben, also...danke lieber Wettergott. Wir haben gestern Abend kurz unsere Fotos gesichtet – die Ergebnisse sind einfach traumhaft.

Ãœbrigens mußten wir beim Schmökern in eurem Forum feststellen, daß das seltsame blasenartige Wassertier, welches am Ponta dos Capelinhos an Land gespült zu werden drohte und welchem wir großherzig das Leben retteten, wohl eine portugiesische Galeere war!:-ssss

Seid lieb gegrüßt
Sindy + Jörg

Ze
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Beitrag von Ze » 09.06.2009, 08:06

Hallo Klee,
ich gebe zu: die Aufnahme ist bald 15 Jahre alt und seitdem gab es keine zweite Möglichkeit so ein Foto zu machen.
Wobei die Autowerkstätten sich gerne an all die Neugierigen erinnern, die das Fahren auf Schnee ausprobieren wollten.

Hallo Sindy und Jörg,
danke für Eueren schönen Bericht. Man merkt dass Ihr Euch mit offenen Herzen auf das Neue eingelassen habt. Ich wünsche Euch noch viele solche Urlaube.

Liebe Grüße
Ze

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