Wandern auf Graciosa

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gunthard
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Wandern auf Graciosa

Beitragvon gunthard » 15.02.2008, 21:27

Eine Woche wandern auf Graciosa

Meine dritte Reise auf die Azoren führte mich im Oktober 2007 auf die kleine Insel Graciosa. Nachdem ich 2005 und 2006 je eine Woche auf Fajal verbracht habe, wollte ich eine neue Insel kennen lernen. Die Reise führte von Zürich nach Lissabon. Dort musste ich eine Nacht verbringen um am nächsten Morgen nach Terceira weiter zu reisen. Die sieben Stunden Wartezeit auf Terceira bis zum Weiterflug nach Graciosa verbrachte ich mit einem Spaziergang durch Lajes und einem längern Besuch im Restaurant gegenüber dem Flughafen. Im Flughafen wurde zu dieser Zeit gerade der Ankunftsbereich umgebaut, so dass eine Baustellenbesichtigung auch noch zum Programm gehörte.

In Graciosa angekommen ignorierte ich die wartenden Taxis und macht mich zu Fuss auf den Weg nach Sta Cruz da Graciosa. So habe ich bereits einen ersten Eindruck von dieser Insel erhalten. Bereist im Voraus habe ich meine Unterkunft in der Residenz ILHA GRACIOSA reserviert. Die Unterkunft erwies sich als älteres Landhaus mit schönem Innenausbau und grosszügigen Zimmern, zumindest in der ersten Etage. Hat man ein Zimmer auf die Strasse hinaus so wie ich, dann wird man am Morgen von den Schülern der gegenüberliegenden Schule geweckt. Dies ist jedoch weiters nicht schlimm, da man ja nicht den ganzen Tag verschlafen will.

Am nächsten Tag bin ich ausgerüstet mit der "Carta Militar de Portugal" und guten Schuhen auf eine erste Entdeckungstour gestartet. Die Karte im Massstab 1:25'000 und Ausgabejahr 2001 erwies sich als präzise und sehr gut geeignet für eine Erkundigung der Insel zu Fuss. Als weiter Unterlagen standen mir der Wanderführer "Wandern auf den Azoren" von Dumont aktiv und der Führer "Azoren" vom Michael Müller Verlag zur Verfügung. Als erstes wollte ich den kleinen Hügel mit dem Namen Pico do Jardim besteigen, der etwas ausserhalb des Orts liegt. Von dort ging es dann weiter an die Nordküste zum Farol Negro, zur Baja da Vitoria nach Ribeirinha alles entlang der Küstenstrasse. Obwohl dies eine recht gut ausgebaute Strasse ist, begegnete ich zu dieser Jahreszeit praktisch keinem Auto, so dass die Wanderung sehr angenehm war. Höhepunkt ist auf diesem Abschnitt der Leuchtturm und eine kleinen Kappelle in Baia di Vitoria. Von Ribeirinha bin ich dann quer über die Insel nach Guadalupe und zurück nach Sta Cruz gewandert. In Guadalupe sind die Kirche und der prächtige Friedhof mit den schönen Grabmälern einen Besuch wert.

Am nächsten Tag stand die Erkundigung des Südens und der Caldeira auf dem Programm. Auf dem Hauptplatz in Graciosa nahm ich mir ein Taxi welches mich nach Carapacho brachte. Wie es der Zufall wollte, erwischte ich einen Taxifahrer, der viele Jahre in den USA gelebt hat. So konnte ich mich mit ihm auf Englisch unterhalten. Da ich des Portugiesischen kaum kundig bin, war das sehr willkommen. Die Wanderung führt von Crapacho der Ostküste entlang bis zur Strasse welche direkt zur Caldera führt. Von der Schotterstrasse welche den Vulkankegel umrundet bin ich weiter bis zum Kraterrand, wo ein schmaler Weg um die Caldeira führt. Dieser erwies sich jedoch auf der südlichen Seite als sehr mühsam begehbar, da er durch hüfthohes Gestrüpp führt und der Weg kaum noch sichtbar ist. Dafür ist die Aussicht sensationell, so dass sich die Mühen doch gelohnt haben. Die Umrundung endet am Tunnel, welcher ins Innere des Vulkans führt. Der Abstieg in die Furna da Caldeira war einer der Höhepunkte des Aufenthalts. Die grosse Höhle im Vulkan mit dem spärlichen Licht ist schon sehr beeindruckend. Im Oktober, wenn kaum mehr Touristen da sind, kann man diese Ruhe auch richtig geniessen. Wieder am Tageslicht schloss ich meine Tour mit einem Marsch nach Praia ab. Dort erwischte ich gerade noch einen Schulbus der mich zurück nach Sta Cruz brachte.

Nun fehlte mir noch der mittlere Teil, so dass ich mich am dritten Tag vom gleichen Taxi nach Ribeirinha fahren liess. Dort startete ich meine Tour entlang der Küstenstrasse zur Serra Branca und von dort bestieg ich die Calderinha. Von hier aus versorgt ein Windkraftwerk die Insel mit Strom. Einsetzender Regen machte die Wanderung teilweise zu einer Rutschpartie auf den schmalen Pfaden durch das Weidland. Bei nachlassendem Regen gelangte ich über Barro Branco nach Lagoa und Praia.

Den vierten und fünften Tag verbrachte ich in und um Sta. Cruz. Der obligate Aufstieg zum Santo Amaro, dem Hausberg der Stadt mit seinen drei Kappellen lohnte sich nur schon wegen der schöne Aussicht auf die Stadt. Dann war es schon wieder soweit, dass ich die Insel verlassen musste. Eine wunderbare Woche mit vielen schönen Eindrücken bleibt in meiner Erinnerung zurück.

klee
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Beitragvon klee » 16.02.2008, 10:18

Hallo Gunthard,

ich finde Deinen Reisebericht sehr schön. Manche Erlebnisse decken sich mit unseren, manche sind doch neu oder anders.

Wir haben die Caldeira außen und nicht oben umrundet, was auch eine sehr schöne Wanderung ist. Wir haben es leider nicht auf den Santo Amaro geschafft, dafür aber konnten wir uns Porto Afonso und Umgebung genau anschauen.

Wir waren Anfang Juli 2007 dort. Dies gehört eigentlich zur Hauptsaison, aber wir waren ebenfalls alleine in der Caldeira-Höhle. Wir haben überhaupt nur eine Handvoll anderer Touristen in 5 Tagen zu Gesicht bekommen, und alle erzählten, sie wären schon auf die Idee gekommen, die einzige Touristen auf der Insel zu sein. Nur abends traf man sich in den einschlägigen Restaurants.

Wie weit konntest Du denn in die Höhle hinein? Bei uns war wohl der Kohlenmonoxidwert ziemlich hoch, so dass wir nicht mal in die Nähe des Sees durften. Wolltest Du nicht auch Fahrrad fahren?

Schöne Grüße
Elke

gunthard
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Hallo Elke

Beitragvon gunthard » 16.02.2008, 11:21

Von kritischen Kohlenmonoxidwerten habe ich nichts gehört, somit war es an dem Tag wo ich dort war wohl kein Problem. Ich konnte recht weit in die Höhle, jedoch nicht ganz bis zum See.

Von der Idee mit dem Radfahren bin ich abgekommen, da ich zu Fuss die gesamte Insel ablaufen konnte. So kannst du auch mal über ein Mauer klettern oder abseits der Strasse die Gegend erkunden.

Dieses Jahr werde ich wohl mal Pico besuchen. Somit kann ich im Herbst einen weiteren Reisebericht ins Forum stellen.

Ich wünsche dir eine gute Zeit

Gunthard

klee
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Beitragvon klee » 16.02.2008, 21:50

Hallo Gunthard,

durftest Du denn alleine in die Höhle?
Wir durften nur in Begleitung und der "Aufpasser" hat die ganze Zeit mit dem Feuerzeug und einer Kerze geprüft, ob noch genug Sauerstoff da ist.

Pico kenne ich noch gar nicht, aber das hebe ich mir auf, bis ich mal richtig Zeit dafür habe ;-)

Dir ebenfalls eine gute Zeit.
Elke

gunthard
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Beitragvon gunthard » 17.02.2008, 08:56

Hallo Elke

Ja ich durfte alleine hinuntersteigen. Als ich kam war da nur ein einsamer Angestellter der Blätter zusammen wischte. Er kassierte den Eintritt und wünschte mir dann viel Spass. Hab ich wohl Glück gehabt.

Gruss Gunthard

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Roman
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Beitragvon Roman » 19.02.2008, 09:47

Lieber Gunthart,

ich finde, der einfachere Weg am oberen Rand der Caldeira vorbei beginnt von der Westseite aus an der Schotterstraße an dem grünen Stahlgittertor. Von hier aus geht es in der Tat relativ weglos in Richtung Süden. In Richtung Norden bis zum Vulkangang direkt über dem Tunnel ist er nicht zu empfehlen. Bei schönem Wetter und klarer Sicht ein herrlicher Ausblick und ein schönes Fotomotiv, erst recht mit den verschiedenen Wasserbecken im Vordergrund. Man muss allerdings mehrfach Stacheldraht übersteigen, um von Weide zu Weide zu gelangen.

Gruß, Roman.


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