Polizei durchsucht Ferienhaus nach Beschwerdebuch

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hjh
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Polizei durchsucht Ferienhaus nach Beschwerdebuch

Beitragvon hjh » 17.05.2014, 08:14

Es ist schon allerhand, was portugiesische Gesetzgeber den Ferienhausbesitzern zumuten. Und insbesondere den Deutschsprechenden, die manchmal Schwierigkeiten haben, sich in die portugiesischen Verordnungstexte und Ausstattungswünsche einzuarbeiten.

Und es dauerte auch bei mir einige Zeit, bis alles in Ordnung war. Dennoch gab es einiges zu bemängeln. Mal fehlte Jod im Arzneischrank, mal war das Salbenverbrauchsdatum abgelaufen, mal war der Feuerlöscher eine Nummer zu klein, mal musste eine Verdunklung zusätzlich zum Vorhang her.

Nun glaubte ich ziemlich gesetzestreuer Mann, alles habe seine Ordnung. Doch weit gefehlt: Zweimal wurde die Policia Municipal zu mir rausgeschickt, um zu kontrollieren, ob endlich der neue Feuerlöscher nicht in der Vorratskammer, sondern in der Küche hänge und ob das rote Beschwerdebuch nun angeschafft sei. Zum Glück war ich nie anwesend. Doch mein Nachbar, der einen Hausschlüssel hat, ließ sie rein. Sie suchten vergeblich nach dem roten DIN-A-4-Buch. Ob sie wohl einen Durchsuchungsbefehl hatten?

Ich habe viele Bekannte und auch Portugiesen gefragt: „Wo kann ich das Buch kaufen?“ Ich habe die verschiedensten Auskünfte erhalten, doch keine stimmte. Ich habe noch niemanden gesprochen, der tatsächlich eines besaß.

Schließlich las ich: Man muss sein Ferienhaus, also sein Vermietungsgewerbe, erst beim Finanzamt anmelden!

Tatsächlich, so war es. Dummerweise hatte ich nicht die berühmte Contribuinte-, also Steuernummer meiner Frau dabei. „Gemeinsames Haus, gemeinsames Gewerbe“ verlangte die Angestellte. Und die Câmara verlegte versehentlich mein Haus kurzerhand von einer „Canada dos Arrifes“ in eine „Rua dos Arrifes“. Da half keine Versicherung, es sei eine „Canada“: Der „Rua“-Irrtum wurde auch beim Finanzamt besiegelt.

Am nächsten Tag bin ich dann mit der Contribuinte-Nummer meiner Frau nochmals hin. Die Halle war voller wartender Menschen. Laut meiner „Senha“, meines Nummernzettels, waren zehn Personen vor mir. Das dauerte. Doch jetzt endlich konnte ich das „Gewerbe“ anmelden.

Dann zur Industrie- und Handelskammer. Dort soll es das berühmte Buch geben. Anmeldung, Besucherausweis erhalten, Büro sogar gefunden.

„Haben Sie vom Finanzamt eine Bescheinigung über den Beginn Ihres Unternehmens?“ Ich: „Woher soll das Finanzamt das denn wissen? Nehmen Sie doch den heutigen Tag, denn heute wurde mein Gewerbe beim Finanzamt eingetragen.“ – „Nein, das reicht nicht, Sie brauchen dazu eine eigene Bescheinigung.“

Zurück zum Finanzamt. Wieder zehn Personen vor mir. Und wieder lange Wartezeit. „Nehmen wir einfach den ersten dieses Monats“, meinte die Angestellte. Und als sie die Höhe meiner geschätzten Jahreseinnahmen vernahm, meinte sie: „Nein, die IVA, die Mehrwertsteuer brauchen Sie nicht zu erheben. Aber Sie brauchen natürlich über alle Einnahmen für uns einen Quittungsbeleg. Steuern brauchen Sie aber nur zu zahlen, wenn Sie im Jahr mehr als 10.000 Euro einnehmen.“ Na, da hatte ich aber Glück.

Inzwischen war es zu spät geworden, mein rotes Buch in Empfang zu nehmen. Also am Folgetag nochmals in die Stadt zur Handelskammer. „Das Buch kostet 19.50 €, zusammen mit dem Quittungsblock sind es zwischen 30 und 40 Euro. Eine Kasse habe ich aber nicht hier. Sie müssen mit einem Scheck bezahlen, den ich weitergebe.“ - „Ach Gott, auch das noch. Mit einem Scheck habe ich doch schon Ewigkeiten nicht mehr bezahlt!“ Also bekam ich mein rotes Buch immer noch nicht. Ich glaube, die Chinesen hatten damals ihr "rotes Buch" unter Mao leichter bekommen.

Zum Glück habe ich einen azorianischen Bekannten, der meine Unterlagen bekam, für mich das Buch abholte und mir brachte. Allerdings würde noch der Quittungsblock fehlen, auf dem ich meine Mieten quittieren solle. Wobei doch bei mir sämtliche Mieten aufs Konto überwiesen werden. Zumal ich in Deutschland bin, wenn ich vermiete. Wie das Amt sich das wohl vorstellt!
Doch jetzt bin ich stolzer Besitzer eines roten Beschwerdebuches.

In meinem Ferienhaus habe ich allerdings ein „gelbes Buch“, einen gelben Ordner, in dem meine lieben Gäste hineinschreiben, wie gut es ihnen in meinem Hause gefallen hat. Ich versichere: Alle Einträge waren bisher positiv und in aller Regel voll des Lobes. Und in deutscher Sprache.

Das rote Buch wurde mir persönlich mit einem amtlichen Eintrag gewidmet. Dann enthält es auf einer Doppelseite die Adressen der Stellen, an die man seine Beschwerde senden kann und anschließend einheitliche Beschwerdeseiten mit Durchschrift, auf denen zweisprachig portugiesisch und englisch der Kläger, der Adressat und der Grund der Klage eingetragen werden sollen.

Vor Jahren habe ich mich einmal auf einer solchen Seite gegen ein unmögliches Verhalten der wohl über jede Kritik erhabenen Fluggesellschaft SATA beklagt. Eine Resonanz darauf hörte ich nie.

Meine nächste Klage erhebe ich dann gegen die Stelle, die das Beschwerdebuch erfunden hat, um es mit ausgefeilter Bürokratie und für teures Geld zu vertreiben. Denn das rote Buch wurde für mich zum „roten Tuch“.
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Meine Einrichtung verfügt über ein Beschwerdebuch. Was bin ich stolz darauf!
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Das ist auszufüllen, wenn man sich beklagen will.

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Re: Polizei durchsucht Ferienhaus nach Beschwerdebuch

Beitragvon hjh » 20.08.2014, 10:31

Inzwischen bin ich wieder in meinem geliebten Azoren-Ferienhaus.
Und was fand ich vor? Einen Quittungsblock mit meinem Namen und meiner Steuernummer, Preis 35.40 €. Darin soll ich handschriftlich eintragen, wie meine Gäste heißen, welche Steuernummer sie haben und was sie an einzelnen Dingen zu bezahlen haben. Der Block war gebracht worden. Sonst hätte man ja vielleicht nicht bezahlt. Und mein Nachbar hatte das Geld vorgelegt.
Ich schrieb oben schon: Stets überweisen meine Gäste ihre Miete im voraus unbar auf mein Konto. Aber unbare Zahlungen sind in Portugal immer noch in vielen Bereichen ungebräuchlich.
Lieber Resident mit Ferienhaus, vielleicht kannst Du mir erklären, wie man dies mit dem Quittungsblock handhaben soll.
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Re: Polizei durchsucht Ferienhaus nach Beschwerdebuch

Beitragvon antonsd » 20.08.2014, 17:27

Hallo hjh,

das ist doch ganz einfach.
Name
Wohnort / Land
Steuer oder Ausweisnummer
Den den Betrag was zu bezahlen ist, oder bezahlt wurde.
Original an den Kunden, Durchschrift aufbewahren für das Finanzamt.

Wir machen das online, damit sparen wir uns die 35,40 für den Block

Grüße von Pico

PS das "Livro de Reclamacoes" brauchen wir auch noch!!
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Re: Polizei durchsucht Ferienhaus nach Beschwerdebuch

Beitragvon hjh » 21.08.2014, 10:03

Guten Tag rüber nach Pico, lieber Antonsd.
Ich danke für Deine Auskünfte.
Wie lautet denn die Online-Seite?
Da ich keine Portugiesen als Gäste habe: Muss ich denn tatsächlich die Steuernummer der meist deutschen Gäste erfragen und deren deutsche Anschrift eingeben?
Im Vordruck ist dies so vorgesehen. Welchen Sinn würde das machen?
Meine Steuerklärung gebe ich in Deutschland ab. Fordert das Finanzamt hier eine Ferienhaus-Steuererklärung an oder habe ich eine Bringschuld? Wenn ja, wohin wende ich mich?
Danke.
hjh

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Re: Polizei durchsucht Ferienhaus nach Beschwerdebuch

Beitragvon antonsd » 21.08.2014, 13:12

Hallo hjh,

die Seite für das Finanzamt:
http://www.portaldasfinancas.gov.pt/pt/home.action
Mit deiner Steuernummer Anmelden

Ich habe auch überwiegend deutsche Gäste, da muss ich dann die Ausweisnummer (anstelle der Steuernummer, und die anderen Daten auch) eintragen, ohne die richtige Nummer kann ich es nicht melden. (wenn eine Firma dahinter steht, geht natürlich auch die Steuernummer.
Das wird vom System sofort geprüft.
Wenn du deinen Vermietung beim Finanzamt angemeldet hast, musst du hier wohl auch deine Steuer erklären.
Auch das geht online, selbe Seite ist recht einfach, 2 ..3 .. Zahlen, fertig. Wir geben das für einen 20ger zum Steuerbüro, welche die Zahlen eintragen.

Die Seite hat auch einen Butten zum testen (#simular) da kannst du üben!!

Ich hab mit Deutschland nichts mehr am Hut.

Grüße ins herbstliche Deutschland
anton
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Re: Polizei durchsucht Ferienhaus nach Beschwerdebuch

Beitragvon damtos » 21.08.2014, 18:23

Der alte Opelaner kennt sich wie immer gut aus.

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Re: Polizei durchsucht Ferienhaus nach Beschwerdebuch

Beitragvon hjh » 21.08.2014, 20:51

Danke, lieber antonsd für Deine Tipps.
Eine Anleitung zur Steuerzahlung ist mir niemals zugestellt worden. Die muss ich wohl auch im Internet irgendwo suchen.

Grundsätzlich muss ich mal wieder feststellen: Auch das Steuerzahlen ist in Portugal alles andere als kinderleicht. In Deutschland bin ich es gewohnt, dass meine Steuerschuld von meinem Konto abgebucht wird oder ich zumindest einen Steuerbescheid erhalte. Ein Beispiel für portugiesischen Bürokratismus ist für mich z.B. Kfz.-Steuer. So ist es mir auf der von Dir genannten Internet-Seite wohl gelungen, in Erfahrung zu bringen, wieviel ich für meinen Azoren-PKW zu entrichten habe, aber nicht die Nummer, unter der ich sie zu überweisen hatte. So bin ich denn heute persönlich zum Finanzamt zur Einzahlung gegangen. Und da die Zahlungsfrist verstrichen war, während ich in Deutschland war, hatte ich jetzt eine hübsche Coima, eine Strafzahlung wegen Überschreitung des Zahlungstermins zu zahlen.

Ungeheuer gewöhnungsbedürftig ist auch das Online-Überweisen von Zahlungen. In Deutschland nutzt man dazu Überweisungsvordrucke, früher auf Papier, heute online. Auf der Online-Seite meiner portugiesischen Bank muss ich mich mühsam herantasten: Da suche ich zuerst die Rubrik „Zahlungen“. Dann wähle ich unter anderem die Sparte „Staat und Öffentlicher Sektor“ aus. Anschließend kann ich wählen zwischen Zahlungen an den Staat und an die Sozialversicherung. Bei letzterer habe ich zwischen vier verschiedenen Möglichkeiten die Qual der Wahl. Die Sozialversicherungsnummer des Beschäftigten muss angegeben werden, der Arbeitsmonat und die Anzahl der geleisteten Arbeitsstunden. Klicke ich nun auf „Bestätigen“, erscheint endlich der zu zahlende Betrag und die Überweisung kann beginnen. Ach, ist das einfach.
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Re: Polizei durchsucht Ferienhaus nach Beschwerdebuch

Beitragvon damtos » 22.08.2014, 09:39

Da braut sich ein Azoren-Tief zusammen: Zuerst die beiden Struffler und nun der liebe hjh.


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