Im Finanzamt tief durchatmen

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hjh
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Im Finanzamt tief durchatmen

Beitrag von hjh » 20.12.2012, 19:32

Heute musste ich mal wieder zum Finanzamt. Eine Gebühr müsse bezahlt werden.

Wie läuft das in Deutschland ab?
Da flattert ein amtliches Schreiben ins Haus. Auf mehreren Seiten wird erläutert, bis wann man für einen bestimmten Zweck einen genannten Betrag mit welchen Überweisungsangaben auf ein dem Finanzamt gehörendes Bankkonto zu bezahlen habe. Schnell macht man dies online zu Hause am Schreibtisch und vergisst die Sache schnell, sofern der Betrag zu verkraften war. An ein persönliches Vorsprechen im Finanzamt kann ich mich nicht erinnern. Es sei denn in Sachen Steuererklärung-

Und wie geht dies auf den Azoren?
Die Câmara teilt mir mit, man müsse in besagter Angelegenheit auch noch im Finanzamt eine Gebühr begleichen.
Pflichtbewusst fahre ich hin. 10.30 Uhr bin ich da. Eine große Wartehalle, zehn Schalter. Eine Senha, ein Zettel zur Festlegung der Reihenfolge, muss gezogen werden. Viele Stühle, leider kein Tischchen zur Erledigung eventuell anfallender Schreibarbeiten, kein TV wie in der Wirtschaft, kein Lesestoff wie beim Arzt.

Fast alle Schalter sind besetzt, recht schnell bin ich an der Reihe. Da fehle aber noch ein Dokument. Das müsse ich mir bei der Camara holen. Die ist zum Glück nicht weit entfernt. Auch dort das übliche: Senha, Aufruf, Dokument. Zurück.

Neue Senja, eine andere Mitarbeiterin ist nun für mich zuständig. "Da fehlt aber noch ein Fragebogen zum Ausfüllen. Den müssen Sie hinten am Schalter holen!“ Sie stellt mir ein Anforderungsformular aus.

Ich hin zum anderen Schalter. Ich warte auf meinen Aufruf, erhalte mein Formular und muss eine geringe Gebühr entrichten.
Zurück zu meiner ursprünglichen Bearbeiterin. Eine andere Kundin hatte auf meinem Stuhl Platz genommen. „Sie müssen sich eine neue Senha ziehen!“

Tat ich. Oh weh! Meine Zahl lag um sechs Stellen höher. Sechs Kunden waren also noch vor mir. Inzwischen war es 11.45 Uhr. Die Schalter lehrten sich auf der Innenseite, sobald ein Klient bedient war. Nur meine Bearbeiterin war noch da; sie hatte einen langwierigen Kunden, eine Stunde saßen sie schon beisammen.

Noch 8 Kunden warteten geduldig über die Mittagspause hinweg von mit der oben erwähnten einen Ausnahme. Bei durchgehender Öffnungszeit. Sonst wäre ja die ganze Wartezeit umsonst gewesen.

Kurz vor 13 Uhr bin ich erneut an der Reihe. Bei einem netten Herrn wickelt sich alles problemlos ab. Um 13.20 Uhr bin ich fertig. Nach 2 Stunden und 50 Minuten. Nein, meine Gebühr könne ich noch nicht bezahlen. Ich bekäme Nachricht, wenn ich dazu vorbeikommen könne.
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Re: Im Finanzamt tief durchatmen

Beitrag von hjh » 10.01.2013, 10:52

Heute lese ich, Portugals Bürokratie sei unschlagbar. Stimmt, dem kann ich vielfach zustimmen. Ein mittelständisches Unternehmen mit rund 40 Mitarbeitern benötigt in Portugal durchschnittlich 275 Stunden mit Arbeiten für Steuern und Sozialversicherungsabgaben. So eine Untersuchung der Weltbank. Damit wurde das in dieser Beziehung als unrühmlich bekannte Italien übertroffen. Das ist ein Rekord unter allen Euroländern.
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