Das wichtigste Thema überhaupt: Das Wetter

Fragen und Antworten rund um das Thema Wetter und Klima auf den Azoren.
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klee
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Das wichtigste Thema überhaupt: Das Wetter

Beitrag von klee » 30.07.2008, 16:35

Hallo alle,

das Thema schlechthin hat hier noch keinen eigenen Eintrag. Da möchte ich nachhelfen.

Wie ist das denn nun genau mit den 4 Jahreszeiten? Schneit es auf den Azoren? Oder sind diese Vorstellung zu sehr festlandeuropäisch geprägt?

Zur Einstimmung erstmal dieses kleine Dossier:
http://www.scinexx.de/dossier-detail-199-9.html

Wie sind eure Erfahrungen, Meinungen und Aufregerthemen?

Schöne Grüße
klee

Ze
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Beitrag von Ze » 30.07.2008, 20:50

In der ersten Zeit auf den Azoren hat es mich immer irritiert wenn meine Nachbarn erzählten dass es manchmal Schnee (neve) gibt.
Bis ich es dann selbst erlebte was sie meinen.
Hagel!
Oft kam der Hagel so dick, dass das Dorf für kurze Zeit wirklich aussah als hätte es geschneit.

Aber einmal, vor ca. 12-14 Jahren hat es dann wirklich geschneit! Und nicht nur auf dem Pico. Zumindest die Hänge der Caldaira von Faial lagen wirklich im Schnee. Fast eine ganze Woche.
Die Leute waren natürlich total begeistert, stürzten in ihre Autos und führen hinauf, um es sich aus der Nähe anzusehen. So gab es allerdings nicht nur die erste Schneeballschlacht auf Faial, sondern dazu noch eine menge Blechschäden. Denn das man auf Schnee auch mit dem Auto rutschen kann hatte niemand vorausgesehen.
Irgendwo muss ich noch ein Foto davon haben. Allerdings aus vordigitaler Zeit. So ist es in irgend einer Fotokiste begraben. Ich werde es mal heraussuchen und einscannen, denn ansonsten glaubt mir das doch wieder keiner :wink:

mfG Ze

acoriano
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Dossier O.K.

Beitrag von acoriano » 31.07.2008, 07:09

Elkes Dossier über das Azoren-Kilma ist O.K. !
Endlich mal eine richtige Darstellung. die mit den alten Wetter-Klischees aufräumt, insbesondere mit den dämlichen "vier Jahreszeiten an einem Tag". Und alles weitgehendst korrekt: klimatische Grundbedingungen, Temperatur-Daten, Besonderheiten...

Nur, diese Mühe mit dem azoreanischen Klima macht sich nicht jeder. Bislang überwiegen doch die allseits bekannten Märchen...

Dass es in südlichen Gefilden lokal begrenzt auch mal schneien kann ist eigentlich nichts Besonderes! Nur kommt das in der Regel vielleicht alle 15-20 Jahre vor! Da kann man dann aber nicht von 4 Jahreszeiten sprechen...

Ze
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Beitrag von Ze » 31.07.2008, 09:42

Raues Klima gibt es sicher in vielen Abstufungen, die Inuit haben da sicher noch eine ganz andere Definition.
Annanas und Bananen wachsen auf den Azoren durchaus nicht an jeder Ecke. Die Annanas von S.Miguel z.B. kommen aus Treibhäusern.
Bananenhaine sind immer von dichten Windschutzhecken umgeben, sonst wird das nichts.
Das Auffälligste an den Inseln sind ihre zahllosen Mikroklimas. So gibt es wenige windgeschützte, sonnenreiche Flecken, an denen Annanas auch im Freien wachsen.
Die Unterschiede von einer Inselseite zur anderen sind enorm. Nach Süden ist es in der Regel wärmer, nach Norden dafür trockener. Es gibt regelrechte Nebellöcher, sowie echte Sonnenspots.
Darum lohnt es sich kaum auf den Azoren den Wetterbericht anzuschauen. Er gibt nur eine große Ãœbersicht. Lokal kann es genau entgegengesetzt sein.

Dass sich die Leute von Pico nur aus Jux und Tollerei die Mühe gemacht haben, um ihre Weinstöcke hohe Steinmauern aufzuschichten, so das die Hänge wie steinerne Irrgärten aussehen, glaube ich nicht.
Auch die endlosen Hortensienhecken um die Felder wurden nicht zur Zierde angelegt.
Einen artenreichen Blumengarten anzulegen ist nicht so einfach, wie man mit Blick auf die Durchschnittstemperaturen meinen möchte.

Dazu wird Wetter eben subjektiv empfunden, darum kann man so schön darüber streiten :wink:

mfG Ze

klee
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Beitrag von klee » 31.07.2008, 19:39

Hallo Ze und acoriano,

ich kann euch beiden zustimmen. Nur würde mich interessieren, warum es Dir acoriano so wichtig ist, das falsche/ungenaue Wetterklischee zurecht zu rücken. Ein Grund für den touristischen Dornröschenschlaf, den wir ja alle gar nicht sooo übel finden, ist doch gerade die falsche Vorstellung vom Azorenwetter. Andererseits gibt es auch genug Leute, die maximal an das Azorenhoch denken, was genauso eine falsche Vorstellung ist.

Aus wissenschaftlichen Gründen ist es natürlich absolut nachvollziehbar, dass man Falschaussagen oder auch Halbwahrheiten nicht stehen lassen möchte. Aber wer sich schon durch die Aussage "4 Jahreszeiten" abschrecken lässt, ohne nachzudenken oder nachzuforschen, was das wohl genau bedeutet, der sollte vielleicht ohnehin lieber woanders Urlaub machen.

Als ich das zum ersten Mal hörte, dachte ich auch an Schnee, aber mir war recht schnell klar, dass das nicht gemeint sein konnte (auch in Irland schneit es z.B. ziemlich selten). Im Dossier wird erwähnt, dass das Jahreszeiten-Klischee womöglich von den Azoreanern selbst in die Welt gesetzt wurde. Mich würde also wirklich mal interessieren, wie ein Einheimischer 4 Jahreszeiten definiert. Vielleicht könntet ihr ja mal eine Umfrage unter euren einheimischen Nachbarn und Bekannten machen.

Sommer = Sonne
Herbst = Regen, Sturm ??
Winter = mehr Regen, mehr Sturm ??
Frühling = ???

Zum Abschluss noch: Ich habe ja neulich schon den Vergleich mit der Schwäbischen Alb angestellt, die sogar den Beinamen "Rauhe Alb" hat (bitte mit "h" ;-)
"Rauh" ist auch hier relativ und einige der letzten Winter waren fast schon lieblich. Und auf so einer Wacholderheide kann es im Sommer schon mal 50-60°C heiß werden.

Schöne Grüße, klee

acoriano
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Falsche Klischees und Wunsch-Vorstellungen

Beitrag von acoriano » 01.08.2008, 10:55

Wenn ich an 2004 zurückdenke, also den Zeitpunkt, als ich das erste mal überhaupt mit der Inselkette der Azoren in Berührung kam, wird mir nachträglich deutlich, dass ich damals Null Ahnung davon hatte, was die Azoren sind, wo sie genau liegen und welche Wetterbedingungen dort wirklich herrschen. Ich wusste ehrlich gesagt nicht mal wieviel Inseln es sind und ihre Namen kannte ich sowieso nicht...
Zunächst kamen mir folgende Assoziationen hoch: Nord-Atlantik, stürmische See, eiskalter Wind, usw. Nach der Lektüre einiger Reiseführer und ein paar intensiver Internet-Recherchen war ich dann etwas schlauer. Aber richtig durchgeblickt habe ich eigentlich erst, als ich am 9. November 2004 aus dem Flugzeug auf Santa Maria ausgestiegen bin: eine Jacke war völlig überflüssig! Zu dieser Jahreszeit! Ich kann Euch sagen: es war Liebe auf den ersten Blick und Atemzug!
Im November nun 22°C Luft- und 20°C Wasser-Temperatur (Bucht von Sao Lourenco) genießen zu dürfen, ist ja in unseren Breiten doch nur ein unerfüllbarer Wunschtraum, trotz Klimawandels. Und die erste Fahrt vom Flughafen im Inselwesten nach Sao Lourenco im Inselosten ließ mich daran zweifeln, ob wir wirklich noch in Westeuropa sind - mir schien Java oder Borneo angesichts der üppigen Urwaldflora plausibler zu sein...

Mir wurde schnell klar, dass ich auf einem paradiesischen Eiland bin. Nicht nur das Klima ist perfekt, auch die Natur ist grandios. Und noch sehr gut erhalten, trotz des jahrhundertelangen Raubbaus (z.B. großflächige Vernichtung der ursprünglichen Lorbeerwälder) und dem Import von Fremdhölzern (z.B. der schnellwachsenden japanischen Sicheltanne). Dadurch, dass auf dieser Insel im Verlauf der letzten 600 Jahren maximal nur 12.000 Menschen (um 1950 herum) dauernd gelebt haben, war der Nutzungsdruck nie besonders hoch (ich weiß wovon ich spreche, denn ich arbeite im Umweltbereich). Dies kann man immer wieder sehen: an der wenig entwickelten Infrastruktur, am noch traditionellen Bauernleben, am ländlichen Baustil und vielem anderen mehr.

Nun, vielleicht ist es gar nicht so schlecht, dass die meisten Menschen nur falsche Klischees und Wunsch-Vorstellungen über die Azoren haben. Das kann den Inseln nur guttun und sie vor Ãœberbevölkerung bewahren - so hoffe ich zumindest. Aber hier in diesem kleinen Forum, wo eh' nur Insider regelmäßig vorbeischauen, lege ich doch gesteigerten Wert darauf, dass wir diese falschen Klischees und Wunsch-Vorstellungen beiseite lassen und bei der Wahrheit bleiben. Die Azoren sind nun mal klimatisch nicht die Shetlands!
Ein Bekannter benutzte mal den Vergleich: "Das Allgau mitten im Atlantik, aber viel wärmer!", also ich finde, das passt ganz gut!

Ze
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Beitrag von Ze » 01.08.2008, 15:32

Also mein Nachbar meinte, das mit den vier Jahreszeiten an einem Tag, hätte folgende Bedeutung:
Dass halt sämtliche Wetter, die es so im Jahresverlauf gibt, auch alle an einem Tag zusammen kommen können. Blauer Himmel und Sonnenschein, kalter stürmischer Wind, dichter Nebel und sinflutartige Regenfälle. Garniert mit ein wenig Hagel und einem lauen Lüftchen.

Das ganze gilt natürlich nicht für Santa Maria, diese Insel liegt viel weiter süd- und westlich. Darum gibt es immer diese Meinungsverschiedenheit mit acoriano. Er schreibt über das Wetter auf den Azoren und meint eigentlich nur Santa Maria.
Wegen der stabilen Wetterbedingungen (und evtl. auch wegen der längsten Landepiste auf den Azoren) ist Santa Maria ja auch einer der Notflughäfen für das Space-Shuttle.

Dass hier in diesem Forum nur Insider gelegentlich vorbeischauen glaube ich nicht. Nur von ein paar Insidern kommen nicht 650 Zugriffe auf ein Thread in einer Woche. Schade nur, dass da nicht ein paar mehr ihre Kommentare abgeben.

Liebe Grüße
Ze

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Ninclow
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Re: Das wichtigste Thema überhaupt: Das Wetter

Beitrag von Ninclow » 11.08.2013, 10:11

Ich fühlte mich jetzt angesprochen und möchte euch einen Tag auf Corvo schildern. Es war im März und am Morgen schien die Sonne. Ein richtig schöner Tag zum Wandern, so dachten wir. Gedacht getan und da es schon recht angenehm war, haben wir auch nicht all zuviel angezogen. Lange Hose Shirt-fertig. 2 Stunden später kam eine Kaltfront-wir fröstelnden, setzen unseren Weg aber fort. Zum Glück fanden wir einen Unterstand, als es Sintflutartig regnete. Das Schauspiel dauerte keine 20 Minuten- aber es reichte uns, denn wir waren auch mit Unterstand klatschnass und gingen zurück. Nehmt Regenkleidung und ne Jacke mit-egal wohin ihr geht.

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Re: Das wichtigste Thema überhaupt: Das Wetter

Beitrag von hjh » 11.09.2013, 15:02

Jetzt habe ich es schriftlich: Die Mitteilung fand ich in der Zeitschrift "Guter Rat".
Die Azoren haben immer gutes Wetter!
Doch was sollen die Nebelschleier in den Hängen über den Seen von Sete Cidades?
hjh
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