Hallo Klee!
Ja, das klingt schon pessimistisch, ist aber leider die Wahrheit.
"3. Dez/Jan war es herrlich! Die Azoren kokettieren ja immer mit ihren 4 Jahreszeiten und alle finden es witzig, dieses Klischee ständig zu wiederholen. Nur wenn es dann mal wirklich stürmt und einen Regenbogen nach dem anderen gibt, dann soll das schlecht sein?"
Wenn Du das im Urlaub erlebst, ist es eine Sache. Wenn man sich vor Augen hält, das in Deutschland derweil Eiseskälte herrscht, dann nimmt man den Regen und Wind gern für wenige Wochen in Kauf, zumal die Temperatur bei 15-16°C liegt. Aber wenn Du dieses Spielchen von Oktober bis Juni hast, dann kotzt Du, wenn der Pico schon wieder so ein tolles "Wolkenhütchen" hat, das die Touristen im Sonnenuntergang fotogafieren, weil Du weisst: Mist, morgen geht es wieder richtig rund. Dann gibt es 4-5 Tage lang "Hardcore-Scheißwetter" - und nicht 4 Jahreszeiten pro Tag! Und das ist nicht lustig, wenn Du einen Garten hast mit Tieren und Pflanzen, denn die leiden. Stell Dir vor, Du stehst den ganzen Tag unter einer Dusche und hast 4 Tage lang keine Möglichkeit, trocken zu werden. Im Winter schimmeln Dir die Lederjacken im Schrank und der Luftentfeuchter macht 5 Liter pro Tag und Raum. Wenn Du Wäsche trocknen willst, braucht der Wäschetrockner ca. 2 Stunden pro Füllung.
Wenn dann wieder die Sonne durchkommt und Du glaubst, Du hast es überstanden, dann baut sich schon der nächste Wolkenberg auf und der Wind legt wieder zu. Zwei Tage geht das dann Tag und Nacht, bis der Regen wieder dazu kommt. In manchen Nächten wird ein komplett leerer Eimer randvoll. 40cm Regen in 10 Stunden! Das kann man MAL mitmachen, aber nicht 7 Monate lang!
"4. Ich habe genug akeptable bis ziemlich gute Restaurants gefunden. Mein Tipp: Nach einem "Restaurante tipico" Ausschau halten. Die wenigen, die ich kenne, sind alles Perlen."
Na, das ist Geschmackssache. Es gibt wohl einige gute Restaurants auf S. Miguel und Terceira, aber ansonsten isst man in jeder deutschen Autobahnraststätte besser.
"Englisch können doch die meisten Azoreaner ??? Die VHS freut sich auch, wenn sie einen Portugiesisch-Kurs anbieten kann."
Diese Einschätzung kann ich nur für die Inseln S. Miguel, Terceira und Faial teilen. Die übrigen Inseln besitzen so gut wie keine Fremdsprachenkenntnisse, bzw. es mangelt an Willen, die in der Schule erlernte Fremdsprache auch praktisch anzuwenden. Ist ja auch in Ordnung und ich spreche auch selbst gerne Portugiesisch. Aber wenn man mit Tourismus Geld verdienen will, dann sollte man doch fit in Kommunikation sein, oder?
"Und mir schmeckt der eine oder andere Azorenwein."
Ja, "Lajjido" und "Frei Gigante" sind trinkbar. Aber für eine Jahrhunderte alte "Weinkultur", die sogar zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt wurde (wg. der Subventionen natürlich!), ist das Ergebnis wirklich kläglich. Das liegt daran, dass die meisten Hausweinspezialisten gar nicht wirklich wissen, wie man Wein eigentlich macht. Schau doch mal beim nächsten Urlaub beim Weinmachen in einer Adega zu: Man fragt sich wirklich, wie man mit soviel unreifen Trauben und Stielen eine akzeptable Maische herstellen will. Aber leider darf man hierbei als Ausländer nicht verbessern, denn hier macht man das halt so! Seit Großvaters Zeiten geht das so. Durch die mangelte Reinheit entsteht viel Absinth, der nicht nur das Gehirn zerfrisst, sondern bei ständigem Konsum auch die Sehkraft vermindert. Auf den Azoren gibt es übrigens im prozentualen Verhältnis die meisten Brillenträger in ganz Europa!
Desweiteren sind die Trauben sauer, was daran liegt, dass es zu wenige Sonnenstunden auf den Azoren gibt, um ausreichend Zucker zur Vergärung zu bilden. Klar, wenn man einfach Industrie-Kristallzucker reinkippt, ist das Problem gelöst. Aber ich möchte ja Wein trinken, der möglichst aus seinem eigenen Fruchtzucker vergoren wird.
"Folgende Sportarten kann man auf den Azoren ausüben: Canyoning, Paragliding, Tauchen, Surfen, Segeln, Reiten und was mir sonst so alles nicht einfällt"
Ja, aber nicht alles auf einer Insel. Wenn Du ein Inselhopping auf den Azoren machst, musst Du Dein Urlaubsbudget um weitere 1000 Euro erweitern, weil schon ein Sata-Flug Pico-Terceira-Pico (60km Luftlinie) 170 Euro kostet! Die Fähre ist natürlich etwas billiger, fährt aber nur im Sommer.
Also: Urlauber sind vielleicht einfach toleranter. Wenn man hier lebt, dann ist das ne ganz andere Nummer! Ich war gerade über Weihnachten in Deutschland und fand es herrlich. Kein Wind, kein Regen und viel besseren Wein aus heimischen Gefilden...
Gruß,
Inselindianer