
Eine gute Nachricht kann ich nun verkünden. Ab hier geht’s bis Horta nur noch bergab. Es kommt auch bald wieder der Punkt, wo wir mehr sehen als nur die Weiden am Rand. Es klart auf, je mehr wir nach unten gehen. Die Sicht wird bald so gut, dass man einen Blick nach Pico erhaschen kann.

Ganz werden wir den Berg aber im ganzen Urlaub nicht sehen, aber schon spektakulär, wie er da so empor wächst. Es windet sehr und warm ist es auch nicht wirklich. Wir lassen heute eine größere Pause weg und schnabulieren unterwegs Äpfel und Digestive-Kekse. Täve läuft auf Hochtouren und ist in seinem Laufdrang kaum zu bremsen. Es geht ja auch bergab. Kurz vor Horta, etwas oberhalb, genießen wir den Rundumblick auf Pico und Sao Jorge. Horta erscheint uns seit langem als eine große Stadt, viele Autos, viele Menschen, viel Trubel. Das sind wir gar nicht mehr gewohnt. Wir wollen nur schnell wieder raus hier. Doch vorher müssen wir uns erkundigen, wo morgen die Fähre nach Sao Jorge startet. Der Hafen ist groß. Kurze Nachfrage bei Einheimischen und unser Weg für uns in den neu gebauten Hafen, im Norden. Auf der Bestätigung von Transmacor steht, wir sollen das Ticket vor Abreise am Automaten ziehen. Super, aber das geht erst 30min vor Abfahrt. Also wissen wir nun, wo die Fähre startet und wo wir unsere bereits gebuchten Tickets morgen erhalten.
Nun heißt es einen Platz in der Nähe fürs Zelt zu finden, wir erblicken gleich nebenan einen großen Barbecuepark. Wir kommen mit einer einheimischen Lehrerin ins Gespräch. Sie meint, dass sie hier schon des Öfteren Leute mit Zelten gesehen habe. Wir wollen schon in einer blickgeschützten Ecke alles aufbauen, da kommt die nette Frau auf uns zu und meint, dass sie sich nach einem Telefonat mit ihrem Mann geirrt habe. Es sei hier nicht gestattet, ihr Mann habe schon gesehen, wie die Polizei hier Leute weggeschickt hätte. Okay, das Risiko wollen wir nicht eingehen. Sie meint aber, 5km über den Berg gen Norden in Almoxarife liegt ein hübscher Zeltplatz. Na toll, nochmal laufen. Wir haben keine Lust mehr, wären auch sehr spät am Ziel. Wir rufen uns ein Taxi, die Dame wohnt sogar im Zielort, wir vereinbaren gleich ein Date für morgen früh 06.30 Uhr.
Echt schade, der Zeltplatz ist echt mal ein hübsches Plätzchen, direkt am Meer, schön begrünt und gepflegt. Die 10 Euro für die eine Nacht legen wir gern auf den Tisch und haben Glück, der Platz schließt in einer Woche. Wir teilen den riesigen Platz mit einem Popupzelt und einem Kuppelzelt.

Essen haben wir zum Glück noch etwas, Zeit zum Einkaufen hatten wir noch nicht. Leider gibt’s in dem Ort kein Mercado, nur eine Bar. Eine Bar? Das reicht doch...Wein und Bier sind gesichert. Während Yvi shoppen geht, baue ich alles auf. Der Wind nimmt langsam wieder zu, aber es ist trocken. In der Dämmerung essen wir dann zu Abend und Täve’s Tagesaktivitäten rächen sich nun. Er geht freiwillig ins Bett. Nach einer kurzen Chillphase für uns, überredet mich Yvi, im Meer baden zu gehen. Mit Stirnlampe ausgerüstet, geht’s zum Sandstrand. Die Wellen sind so stark, dass sie mit uns machen, was sie wollen. Aber wir sind nun wieder erfrischt und streifen uns die letzten sauberen Klamotten über. Wir merken langsam, dass wir an Klamotten genau die richtige Anzahl und Auswahl mitgenommen haben. Einige Klamotten sind gewaschen, einige am trocknen und andere stinken. So braucht man eine gewisse Auswahl um sich abends im Schlafsack wohlzufühlen. Nach der Badeorgie plündern wir noch den Süßigkeitenautomaten im Foyer. Snickers, Mars, Cola, Fanta, Nüsse..am Ende füttern wir den Automaten mit 15 Euro. Für Glückshormone zahle ich auch gerne mehr. Überglücklich gehen wir zu Bett, der Wecker wird morgen 05 Uhr klingeln.
Kurz darauf beginnt der 13.Tag, nach einer stürmischen Nacht mit kurzen Regenabschnitten. Yvi heult mir schon jetzt die Ohren voll, wie schlimm den die Überfahrt werden wird. Wir hatten gestern aber ein großes Schiff gesehen und in der Annahme, dieses sei unseres, wiege ich sie in Sicherheit und kann so in Ruhe das Zelt abbauen. Es ist noch dunkel, Täve schläft noch und wird erst in letzter Minute geweckt. Dann geht alles ganz schnell, das Taxi ist überpünktlich und schweißgebadet steigen wir ins Taxi. Am Hafen angekommen, ist hier wirklich tote Hose. Wir ziehen unsere Tickets aus dem Automaten und warten bis hier Irgendjemand mal das „Go“-Zeichen gibt. Wir fügen uns der azorianischen Gelassenheit und frühstücken erst mal in Ruhe. Nun wird es Zeit, Yvi einzuweihen, dass unsere Fähre doch eine kleine Spelunke ist. Irgendwie stört sie das gar nicht. Hat sie mit dem Leben schon abgeschlossen? 7.20 Uhr soll die Fähre starten, kurz nach 7 erkundige ich mich dann mal, wie das mit dem Buggy läuft. Okay, Einer fühlt sich verantwortlich und nimmt ihn in Empfang. Er muss als Fracht verladen werden. Langsam aber sicher trudeln auch andere Reisende ein, der Laden füllt sich. Eine weitere Viertelstunde passiert wieder nichts. Dann auf einmal die Durchsage „Letzter Aufruf nach Sao Roque, Velas“ Hee, bis dato standen die Lautsprecher still. Okay, wir düsen vor, springen aufs Boot, sind die Letzten. Nach uns wird 1 Minute später abgelegt. Naja, wir sind an Bord.
Die Ausfahrt aus dem Hafen zeigt bereits auf, was uns gleich erwarten wird. Je mehr wir den Schutz des Hafens verlassen, umso mehr schaukelt das Schiff. Links sehe ich nur Wasser, rechts nur den Himmel. Das Boot schaukelt abartig. Die Kotztüten sind von jedem Sitz in greifbarer Nähe – zu Recht. Yvi nutzt die Offerte und schnappt sich vorsorglich eine der großen Vorratstüten. Ich werde sie die Fahrt über nur im Hafen von Pico sehen. Ansonsten hält sie sich die meiste Zeit auf der Toilette auf. Täve und ich versuchen derweil zu schlafen. Es funktioniert eine Weile, doch auf einmal weckt uns ein seltsames Geräusch. Toll, Yvi meint, dass ich an Ihrer Fähren-Bolemie teilhaben soll und nutzt nun die Kotztüte intensivst. Sie tut mir schon ein wenig leid, als ich ihr die Freude nehmen muss, dass der Hafen von Pico noch nicht unser Ziel sei, wir aber schon die Hälfte geschafft hätten. Sie verzieht sich umgehend wieder aufs Klo. Es könnte ja sein, dass neue Gäste ihr den Platz dort streitig machen könnten. Nun gut, dann kann ich weiterschlafen. Gegen 10 Uhr legen wir in Velas an. Yvi hat sich nun komplett geleert. Zeit zum Frühstück. Das Wetter auf Sao Jorge scheint nur westlich von Velas gut zu sein. Der Rest der Insel liegt in einer einzigen Wolkensuppe. Wir planen also spontan um. Nach einem ausgedehnten Frühstück und dem obligatorischen Einkauf im Mercado schnappen wir uns ein Taxi und steuern Rosais an. Da wir sicher noch oft seine Dienste benötigen werden, gibt er uns seine Visitenkarte. Wir nehmen seinen Rat an, Sete Fontes anzusteuern, da man in dem Park ruhig auch sein Zelt aufschlagen könnte.
Erst einmal wollen wir aber an die äußerste Westspitze zum verlassenen Leuchtturm laufen. Auf roten Erdwegen und Schotterpisten geht’s bei rauem Wind, aber trockenem Wetter durch schöne Landschaft, immer mit viel Weitsicht auf Pico und Faial. Ein wenig später können wir sogar Craciosa am Horizont erblicken. Die Tour wollte ich damals bereits in die Planung mit aufnehmen, hatte mich dann aber für andere Faja-Touren entschieden. Nun bereuten wir es nicht, die Tour doch gemacht zu haben. Bald quert uns die lange Gerade zum Leuchtturm. Wir satteln ab, lassen unser Zeug im Graben stehen und laufen die Sackgasse zum Leuchtturm. Ein wenig später kommt uns ein Auto entgegen, welches uns bereits in Rosais überholte. Die Fahrerin des Autos meint „Wow you walk very fast!“ Wir entgegnen nur „No, you drive very slow“. Wir lachen und wünschen uns gegenseitig einen schönen Tag.

Der Leuchtturm mit seinen umliegenden Gebäuden ist seit einem Erdbeben verlassen. Man sieht Erdrisse und –spalten. Okay, also nur eine Frage der Zeit bis hier mal was Größeres wegbricht. Auf jeden Fall ist die Aussicht herrlich. Wir sind mal wieder allein hier. Lange verweilen wir hier aber nicht, wir machen uns auf den Rückweg zum Gepäck. Im Schutz der Bäume machen wir dort wieder angekommen Rast. Es windet ganz schön. Das Wetter ist nun auch hier ungemütlich geworden. Wir können jedoch in der Ferne im Osten Sao Jorge’s noch schlechteres Wetter sehen. Mit straffem Schritt folgen wir dem Navi, etwas abseits der geradlinigen Fahrstraße. Gegen Nachmittag erreichen wir dann Sete Fontes. Es ist Samstag, im Park feiert eine Familie Kindergeburtstag. Wie bemerken, dass der Park ein botanischer Garten ist. Nachdem wir die Parkordnung studiert haben, müssen wir nun nach einem anderen Zeltplatz Ausschau halten. Hier ist Zelten verboten. Obwohl der Taxifahrer aber anderer Meinung ist, hören wir auf die Parkordnung. Während ich im Umkreis des Parks nach geeigneten Plätzen suche, tobt sich Täve auf dem Spielplatz mit einheimischen Kindern aus. Ich finde eine Toilette mit Wasser. Das ist erst mal gesichert.
Zwei Platzvarianten habe ich gefunden. Die eine windausgesetzt auf einem Hügel mit Blick aufs Meer, die andere windgeschützt auf einer Weide, umgeben von streng stinkenden Misthaufen. Wir entscheiden uns für erstere und werden dies auch nicht bereuen, das wird sich am nächsten Tag zeigen.

Jedoch für den verbleibenden Tag ist der Platz falsch gewählt. Es windet immer toller und fängt an zu regnen. Ich spanne jede Leine ab. Wir verziehen uns im Zelt. Freizeitbeschäftigung ist angesagt, Tagebuch schreiben, mit Täve rumtollen. Erst bei so einem Mistwetter weiß man das große Platzangebot im Zelt zu schätzen. Papa darf dann mal wieder an den Kocher. Alle haben Hunger. Im Zelt klingt es heftig. Der Regen peitscht gegen das Zelt, der Wind drückt gegen die Gestänge. Alles hält super.
Nach dem Essen ziehe ich mich aus und stelle mich ein paar Minuten in den Regen. Frisch geduscht! Yvi zieht es heute erstmals vor, stinkend einzuschlafen. Wir verziehen uns in die Schlafsäcke und quatschen noch ein wenig. Mit Täve schlafen wir dann zusammen ein. Da wissen wir noch nicht, wie unruhig die Nacht für uns verlaufen wird.




























