Viki stellt sich vor
Verfasst: 01.10.2022, 17:17
Liebe Mitmenschen im Forum,
ich bin eine Frau in Deutschland, die noch nie auf den Azoren war, aber den. Plan in sich bewegt, auf die Insel Graziosa auszuwandern. Am liebsten schon nach dem jetzt langsam beginnenden Winter. Die Wahl der Insel hat damit zu tun, dass ich eine deutsche Frau kenne (nur via Internet), die dort mit ihrer Familie lebt.
Ich habe einen besonders schwergewichtigen Grund, auswandern zu wollen. Ich werde jetzt einen Satz schreiben, den manche als krass empfinden könnten, doch für mich ist er real:
Ich ertrage Deutschlands Giftigkeit nicht mehr. Ich bin schwer umweltkrank, seit Jahrzehnten, nach einer schweren Vergiftung, d.h. ich bin extrem empfindlich auf giftig wirkende Chemikalien.
Um es sofort zu bekennen: Ich eigne mich keineswegs besonders als Auswanderin. Außer meiner Begeisterung und Hoffnung bringe ich nicht viel mit, was man als tüchtige Auswanderin wahrscheinlich besser haben sollte. Auch keine Sprachenfitness (Schulenglisch und ein schlechtes Gedächtnis). Auch keine finanziellen Spielräume (kleine Pension). Ich brauche also eine Mietwohnung.
Was ich tun will in der neuen Heimat: Vorrangig schreiben. Außerdem, so hoffe ich, das giftfreie Leben genießen.
Ich bin unbeschreiblich glücklich darüber, dass auf den Azoren keine oder kaum Pestizide benutzt werden, dass es keine Kraftwerke gibt und keine Autobahnen und keine luftvergiftende Industrie. Genau das macht die Inseln so machtvoll anziehend für mich.
Was werde ich noch tun? Spazieren gehen, kleine Wanderungen. Einkaufen gehen, vorrangig Obst und Gemüse, ich lebe vegan. Viel bestellen im deutschen Internethandel, wenn die Versandkosten bezahlbar sind und die Händler überhaupt mitspielen.
Und hoffentlich gibt es auch kleine Gelegenheiten für Freude an neuen Beziehungen. Ich lebe durch meine Krankheit in Deutschland sehr zurückgezogen. (Das ist „das Übliche“ bei MCS (Multiple Chemikalien-Sensitivität).) Ich habe ein starkes Bedürfnis, so weit wie irgend möglich allein zurechtzukommen. Ich lebe seit Jahrzehnten ohne Ärzte, denn sie können nicht helfen, die meisten kennen die Krankheit gar nicht. Notwendiges Zähne-Ziehen wird erledigt sein, wenn ich auf die Azoren ziehen werde. Ich lasse das mit Hypnose machen, eine tolle Erfahrung. Alle Medikamente (Vitalstoffe, keinerlei pharmazeutische Sachen) muss ich sowieso allein bezahlen und mir auch weitgehend alleine verordnen. Es gibt sehr hilfreiche, unterstützende medizinische Kongresse und Foren.
Ich habe im Internet über die Lebensbedingungen auf den Azoren gelesen. Ich habe wegen einer Mietwohnung oberflächlich recherchiert. Ich weiß um die Beschaffenheit der meisten Häuser (auch dank eures Forums). Ich weiß um die Temperaturen im Winter, um die Feuchtigkeit. Deshalb glaube ich:
Meine größte Herausforderung wird sein, eine passende Wohnung zu finden, die tatsächlich gesund, trocken UND irgendwie beheizbar sein wird. (Am liebsten auf dem Land.) Durch meine Krankheit brauche ich viel Wärme. Auf keinen Fall Schimmel. Ich kann es mir nicht anders vorstellen, als dass ich im Winter eine (wenigstens sporadisch nach eigener Bedürfniswahl zu nutzende) Heizung brauchen werde. (Ofen wäre in Ordnung, wenn mir jemand Holz besorgen kann bzw. ein Lieferdienst vorhanden ist.)
Ich bin in euer Forum gekommen, weil ich auf Beistand hoffe. Ich habe keine Ahnung, wieviele von euch auf Graziosa leben. Jede Information zum Thema, jede auf Erfahrung basierende Meinungsäußerung, auch die ernüchternden, all das hilft mir weiter. Zusätzlich stelle ich mir vor und hoffe ich, dass ihr in den Folgemonaten durch sporadisches Erinnern im Hintergrund an das, was ich brauche und suche, (vielleicht ja doch vorhandene) Möglichkeiten aufspüren könntet für mich.
(Auf der Internetseite, die Roman 2009 aufführte unter „Wohnung langfristig“, habe ich gestöbert. Es gibt nur zwei Apartments in Städten auf anderen Inseln derzeit, eins davon Altbau. Es ist wahrscheinlich ziemlich naiv von mir, mich mit meinen Bedingungen auf eine Insel zu fixieren, aber es ist mir sehr wichtig, gerade nach Graziosa zu ziehen.)
Es ist kein Spleen, der mich treibt, sondern Mut und Verzweiflung. MCS ist eine sehr schlimme Krankheit, Experten sagen: die schwerste, die sie kennen in unserer Zeit. Ich sage oft: Folter. Jedoch gilt das nur unter direktem Gifteinfluss, wobei schon kleine Giftspuren von meinem Körper anders gelesen werden als von einem gesunden Körper. Ich bin aber noch genügend fit. Wo es giftfrei ist, geht es mir häufig gut, manchmal sehr gut. Mein Körper hat noch Regenerationskräfte, die leicht aktivierbar sind, ich bin überzeugt, ich werde mich erholen.
Noch ein letztes, möglicherweise befremdendes Bekenntnis: Ich fahre nicht Auto. Mein Berufsleben in Berlin ließ es nicht notwendig erscheinen.
Also suche ich eine gesunde Wohnung, am liebsten auf dem Land und mit Linienbusanbindung….(hahaha).
(So komme ich wahrscheinlich als von deutscher Infrastruktur verwöhnte Frau rüber, die alles Störende in Deutschland zurück lassen will, aber mit bester Infrastruktur (Linienbusnetz und Co.) weiterhin bedient werden möchte. Ja, so wird es wohl sein….)
Im Lauf des Winters wird es mir hoffentlich gelingen, einmal auf die Azoren zu fliegen, verpackt in Schutzanzug und Supermaske, und mir vor Ort einen ersten Rundumeindruck zu gönnen.
Mehr Bedenkenswichtiges fällt mir im Augenblick nicht ein. Es ist alles ganz ernst gemeint. Träumen darf man ja, in manchen Lebenslagen MUSS man es geradezu. Aber ich kann auch herzlich über den ganzen Plan lachen.
Über Kommentare würde ich mich sehr freuen.
Danke fürs Lesen!
Hier im Allgäu ist es SEHR kalt und regnerisch. Ein gutes Wochenende!
Viki
ich bin eine Frau in Deutschland, die noch nie auf den Azoren war, aber den. Plan in sich bewegt, auf die Insel Graziosa auszuwandern. Am liebsten schon nach dem jetzt langsam beginnenden Winter. Die Wahl der Insel hat damit zu tun, dass ich eine deutsche Frau kenne (nur via Internet), die dort mit ihrer Familie lebt.
Ich habe einen besonders schwergewichtigen Grund, auswandern zu wollen. Ich werde jetzt einen Satz schreiben, den manche als krass empfinden könnten, doch für mich ist er real:
Ich ertrage Deutschlands Giftigkeit nicht mehr. Ich bin schwer umweltkrank, seit Jahrzehnten, nach einer schweren Vergiftung, d.h. ich bin extrem empfindlich auf giftig wirkende Chemikalien.
Um es sofort zu bekennen: Ich eigne mich keineswegs besonders als Auswanderin. Außer meiner Begeisterung und Hoffnung bringe ich nicht viel mit, was man als tüchtige Auswanderin wahrscheinlich besser haben sollte. Auch keine Sprachenfitness (Schulenglisch und ein schlechtes Gedächtnis). Auch keine finanziellen Spielräume (kleine Pension). Ich brauche also eine Mietwohnung.
Was ich tun will in der neuen Heimat: Vorrangig schreiben. Außerdem, so hoffe ich, das giftfreie Leben genießen.
Ich bin unbeschreiblich glücklich darüber, dass auf den Azoren keine oder kaum Pestizide benutzt werden, dass es keine Kraftwerke gibt und keine Autobahnen und keine luftvergiftende Industrie. Genau das macht die Inseln so machtvoll anziehend für mich.
Was werde ich noch tun? Spazieren gehen, kleine Wanderungen. Einkaufen gehen, vorrangig Obst und Gemüse, ich lebe vegan. Viel bestellen im deutschen Internethandel, wenn die Versandkosten bezahlbar sind und die Händler überhaupt mitspielen.
Und hoffentlich gibt es auch kleine Gelegenheiten für Freude an neuen Beziehungen. Ich lebe durch meine Krankheit in Deutschland sehr zurückgezogen. (Das ist „das Übliche“ bei MCS (Multiple Chemikalien-Sensitivität).) Ich habe ein starkes Bedürfnis, so weit wie irgend möglich allein zurechtzukommen. Ich lebe seit Jahrzehnten ohne Ärzte, denn sie können nicht helfen, die meisten kennen die Krankheit gar nicht. Notwendiges Zähne-Ziehen wird erledigt sein, wenn ich auf die Azoren ziehen werde. Ich lasse das mit Hypnose machen, eine tolle Erfahrung. Alle Medikamente (Vitalstoffe, keinerlei pharmazeutische Sachen) muss ich sowieso allein bezahlen und mir auch weitgehend alleine verordnen. Es gibt sehr hilfreiche, unterstützende medizinische Kongresse und Foren.
Ich habe im Internet über die Lebensbedingungen auf den Azoren gelesen. Ich habe wegen einer Mietwohnung oberflächlich recherchiert. Ich weiß um die Beschaffenheit der meisten Häuser (auch dank eures Forums). Ich weiß um die Temperaturen im Winter, um die Feuchtigkeit. Deshalb glaube ich:
Meine größte Herausforderung wird sein, eine passende Wohnung zu finden, die tatsächlich gesund, trocken UND irgendwie beheizbar sein wird. (Am liebsten auf dem Land.) Durch meine Krankheit brauche ich viel Wärme. Auf keinen Fall Schimmel. Ich kann es mir nicht anders vorstellen, als dass ich im Winter eine (wenigstens sporadisch nach eigener Bedürfniswahl zu nutzende) Heizung brauchen werde. (Ofen wäre in Ordnung, wenn mir jemand Holz besorgen kann bzw. ein Lieferdienst vorhanden ist.)
Ich bin in euer Forum gekommen, weil ich auf Beistand hoffe. Ich habe keine Ahnung, wieviele von euch auf Graziosa leben. Jede Information zum Thema, jede auf Erfahrung basierende Meinungsäußerung, auch die ernüchternden, all das hilft mir weiter. Zusätzlich stelle ich mir vor und hoffe ich, dass ihr in den Folgemonaten durch sporadisches Erinnern im Hintergrund an das, was ich brauche und suche, (vielleicht ja doch vorhandene) Möglichkeiten aufspüren könntet für mich.
(Auf der Internetseite, die Roman 2009 aufführte unter „Wohnung langfristig“, habe ich gestöbert. Es gibt nur zwei Apartments in Städten auf anderen Inseln derzeit, eins davon Altbau. Es ist wahrscheinlich ziemlich naiv von mir, mich mit meinen Bedingungen auf eine Insel zu fixieren, aber es ist mir sehr wichtig, gerade nach Graziosa zu ziehen.)
Es ist kein Spleen, der mich treibt, sondern Mut und Verzweiflung. MCS ist eine sehr schlimme Krankheit, Experten sagen: die schwerste, die sie kennen in unserer Zeit. Ich sage oft: Folter. Jedoch gilt das nur unter direktem Gifteinfluss, wobei schon kleine Giftspuren von meinem Körper anders gelesen werden als von einem gesunden Körper. Ich bin aber noch genügend fit. Wo es giftfrei ist, geht es mir häufig gut, manchmal sehr gut. Mein Körper hat noch Regenerationskräfte, die leicht aktivierbar sind, ich bin überzeugt, ich werde mich erholen.
Noch ein letztes, möglicherweise befremdendes Bekenntnis: Ich fahre nicht Auto. Mein Berufsleben in Berlin ließ es nicht notwendig erscheinen.
Also suche ich eine gesunde Wohnung, am liebsten auf dem Land und mit Linienbusanbindung….(hahaha).
(So komme ich wahrscheinlich als von deutscher Infrastruktur verwöhnte Frau rüber, die alles Störende in Deutschland zurück lassen will, aber mit bester Infrastruktur (Linienbusnetz und Co.) weiterhin bedient werden möchte. Ja, so wird es wohl sein….)
Im Lauf des Winters wird es mir hoffentlich gelingen, einmal auf die Azoren zu fliegen, verpackt in Schutzanzug und Supermaske, und mir vor Ort einen ersten Rundumeindruck zu gönnen.
Mehr Bedenkenswichtiges fällt mir im Augenblick nicht ein. Es ist alles ganz ernst gemeint. Träumen darf man ja, in manchen Lebenslagen MUSS man es geradezu. Aber ich kann auch herzlich über den ganzen Plan lachen.
Über Kommentare würde ich mich sehr freuen.
Danke fürs Lesen!
Hier im Allgäu ist es SEHR kalt und regnerisch. Ein gutes Wochenende!
Viki