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von Dieter Gosdzinsky » 10.03.2013, 21:22
Knurren kannst Du ja Wolfgang, das erleichtert.
Ich hoffe, Du läßt es noch ein Weilchen zu, eine abweichende Meinung zu haben. Hier mal die meinige:
1)
Wenn sehr viele Menschen das selbe tun und das selbe denken und das selbe glauben kommt mir sofort das Höhlengleichnis ( Plato, Politea, Buch 7) und, etwas moderner Dr. Le Bon die "Psychologie der Massen" in den Sinn. Meine Generation ist extrem mißtrauisch, wenn es zu Massenmeinungen und Bekundungen kommt, das hatten wir nämlich schon einmal, vor noch gar nicht so langer Zeit.
2)
Die portugisische Nelkenrevolution mit ihren langen sozialistischen Folgejahren ist eine der [b]Mit[/b]ursachen, dass Portugal so sehr schlecht auf die fast globale Finanzkrise vorbereitet war, schlechter als viele andere, die es auch getroffen hat.
Staatliche gelenkte Wirtschaft, auch bei den Versorgern, Preisregulierungen im Konsumgüterbreich und auf dem Immobilienmarkt und eine extrem ausgebildete Bürokratie haben Investitionen und Wirtschaftswachstum abgeblockt. Wer in Zeiten, als es den Nachbarn rundherum prächtig ging, den Verfall der Immobiliensubstanz in Lisboa gesehen hat, hervorgerufen durch die Preisbindung der Mieten auf Vorkriegsniveau, die jede Renditeerwartung abwügten, weiß, weshalb an diesem schönen Ort kaum jemand den Mut hatte, zu investieren.
Die Portugiesen haben sich für diesen Weg entschieden, billige Wohnungen, billiges Brot, billiger Strom, billiges Wasser, geschützte kaum kündbare Arbeitsverhältnisse, immer wieder, immer wieder, sie haben jahrzentelang mehr verbraucht als erwirtschftet, die fehlende Kostendeckung wurde mit Schulden finanziert, die Krise ist die Quittung, die Verantwortung wird nun wo anders gesucht, bei Frau Merkel. Nein, das funktioniert nicht.
3)
Unfähige Politiker, ja, da stimme ich zu. Das ist der Preis des gegenwärtigen demokratischen Systems, mit gleicher Stimmgewichtung aller Wahlberechtigten, was immer nur ein Mittelmass an Mandatsträgern hervorrufen kann. Das Thema lief hier schon mal seeehr ausführlich.
4)
Vergesellschaftung der Versorger, der Strom- und der Wasserversorger. Erfahrung lehrt ofensichtlich, dass Erfahrung nichts lehrt. Noch nie haben vergesellschaftete Versorger jemals ihre Produkte kostendeckend zur Verfügung stellen können. Alle Produkte haben ihren Preis und wir sollten uns daran gewöhnen, dass der zu entrichten ist und dass, um Investitionen zu finanzieren, ein Überschuß erwirtschftet werden muß, auch für die Aktionäre, die verhassten, die es ja aber sind, die erstmal das Kapital vorstrecken. ( Bedenke: Ohne Aktionäre kein Suezkanal, ohne Aktionäre keine Eurotunnel, etc.)
Stromversorger und Wasserwerke in meiner alten Heimat Berlin waren, solange sie im kommunalem Besitz waren, hoch defizitäre, steuerbezuschußte Betriebe und Abladeplatz in der Geschäftleitung bis zum letzten Zählerableser für Genossen und Parteigänger der jeweilig an Ruder befindlichen Mandatsträger, korrupt bis unter die Fingernägel. So wie jetzt der öffentlcih rechtliche Rundfunk mit der Zwangsabgabe.
Das Recht auf ein Versorgungsgut hat mit der Geschäftsform des Versorgers überhaupt nicht zu tun. Die Legislative hat dafür zu sorgen, dass der Versorger die Produkte zu vertretbaren Bedingungen zur Verfügung stellt. Und wenn sie das nicht kann, braucht es sie nicht, dann weg damit, aber ohne Abfindung.
Gute Nacht
Dieter