Hallo Inselindianer,
nein, das ist ein Irrtum, ich kenne Dich nicht. Du hast ein Posting mit dem Namen Marcus unterschrieben. Darum dachte ich Du möchtest so angesprochen werden. Das war alles.
Zitat:
„Ein Deutscher in der azoreanischen Politik? Na, das Thema diskutieren wir hier mal besser nicht. Hier bekommst Du als Deutscher nicht mal nen Job bei der Müllabfuhr.“
Auf S.Miguel gab(gibt?) es z.B. einen Deutschen der in seiner Freguesia Bürgermeister wurde.
Er wurde wegen seines großen sozialen Engagements gewählt und bekam viel Unterstützung.
Wie lange er es gemacht hat weis ich allerdings nicht.
In die lokale Politik einzusteigen ist immer und überall sehr schwer. Auf den Azoren sind die Machtstrukturen sehr alt und starr. Alle reichen weit in die Salazar-Zeit (und davor) zurück. Ohne ein Verständnis dieser Strukturen und ihrer aktuellen Strömungen kann man in der Politik nicht mitdiskutieren (ob einem das passt oder nicht). Wenn man nicht mal die Hinweise zwischen den Zeilen in einem Zeitungsartikel begreift, wie will man denn da mitreden?
Außerdem wird die Politik nicht in den Kneipen gemacht, nirgendwo auf der Welt.
Ich habe miterlebt wie ein sehr engagierter und wohlmeinender Inselpräsident an diesen Strukturen brutal gescheitert ist. Ihm fehlte das Fingerspitzengefühl die unterschiedlichen Interessengruppen zu handhaben. Und das war ein Azorianer.
Ich kenne übrigens durchaus Deutsche die auf den Azoren angestellte Arbeit gefunden haben, sogar in öffentlichen Einrichtungen. Dass diese Leute über viel Durchhaltevermögen verfügten und die Sprache wirklich fließend sprechen, dürfte wohl klar sein. Niemand kann einen Angestellten gebrauchen der die Kunden immer wieder missversteht.
Ausländer die Firmen aufgebaut haben, die heute Azorianer beschäftigen, die den Kampf mit der Bürokratie durchgestanden haben und ganz normale Steuerklärungen und Bilanzen vorlegen, gibt es ebenfalls. Auch hier haben es nur die geschafft, die bereit waren die Verhältnisse zu akzeptieren.
Zu Deiner Gemüsemarkt-Idee:
Die ist schon klasse. Aber eine Idee haben und dann andere bitten sie zu realisieren gelingt in den seltensten Fällen. Meiner Ansicht nach wäre der einzig mögliche Weg folgender:
1. Prüfen wem ich da Konkurrenz mache. Die eingesessenen sitzen immer am längern Hebel. Das ist auch überall auf der Welt so.
2. Ein Angebot konzipieren mit dem ich wenig Konkurrenz habe (das ist ohnehin wichtig)
3. Die Lieferanten / Verkäufer für die Sache gewinnen. Ihnen an anderen Beispielen das Potential aufzeigen. Aber Vorsicht: Die Leute sind nicht doof. Für Sachen, die sie sofort als aussichtslos erkennen, findet man nirgends Mitstreiter.
4. Mit diesen Verkäufern eine Interessengemeinschaft gründen.
5. Die lokalen politischen Parteien abklappern und um Unterstützung werben (auch auf den Azoren will man Wählerstimmen gewinnen).
6. Sponsoren suchen. Das kann sogar der lokale Großmarkt sein, wenn man ihm das Gefühl gibt, dabei verdienen zu können.
7. Ganz generell: so viele Leute wie möglich ins Boot holen. Das gelingt aber nicht mit Kritik, sondern nur wenn jeder das Gefühl hat, dass es auch für ihn gut ist.
8. Die „Mühlen mahlen lassen“ aber immer freundlich und unterstützend am Ball bleiben.
9. Wenn die Leute das Gefühl bekommen, hier wolle sich nur ein „Besserwessi“ verwirklichen, dann ist alles aus.
10. Bereit sein ganz klein anzufangen. Evtl. mit einer Lizenz für einen kleinen Stand unter freiem Himmel, an dem Du an einem Tag in der Woche Dein (oder zugekauftes) Gemüse verkaufst.
11. Wichtig: Sich nicht über die absurden Vorschriften und Auflagen zu ärgern, sondern sich damit trösten, dass die alle von der geliebten EU aus Brüssel kommen.
12. Mit diesem Vorbild dann langsam auch andere Vermarkter ins Boot holen.
Dies sind die 12 Gebote für erfolgreiche Unternehmensgründer. Jetzt weis auch jeder dass ich von Beruf Unternehmensberater bin
Wie viele dieser Schritte bist Du bisher gegangen?
Die andere Sache: soziales Engagement.
Wenn man es versucht als würde man Bananen in der DDR verteilen, wird es auf jeden Fall ein Fiasko.
Also erst mal raus aus dem Elfenbeinturm und schauen was die Azorianer so machen. Es gibt nämlich einige Gruppen und viele Menschen die sich sozial engagieren. An diese Leute herantreten und Unterstützung anbieten.
Akzeptieren, dass die nicht alles so rationell und optimal machen wie Du es machen würdest, sondern deren Arbeit echt anerkennen. Ein wenig bescheiden bleiben, sich nicht in den Vordergrund drängen, sondern genau wie die Anderen mitarbeiten.
Darüber wächst umgekehrt auch langsam unsere Akzeptanz in den Augen der Azorianer.
Wenn man dann anerkannt ist und die Anderen sehen dass man echt was drauf hat und sein Engagement ernst nimmt (es eben keine „Laune“, keine „Eintagsfliege“ ist), dann kommen die Möglichkeiten, auch größere Projekte in Angriff zu nehmen, von ganz alleine.
Ein Forumsmitglied hier „Dieter Gosdzinsky“, hat sich in Jahrzehnten auf Ibiza seinen Platz in der dortigen Gesellschaft erworben und ist heute auch eine bedeutende Person dort in der Handelskammer. Vielleicht liest er ja mit und gibt auch noch seinen Kommentar dazu ab, er weis gut was Integration bedeutet.
Stichwort „Sozialschmarozter“. In Deutschland bezeichnet man so einen Ausländer der nicht arbeitet, keine Sozialabgaben bezahlt, aber Ansprüche an den Staat stellt. Das ist zumeist ungerecht, darum benutze ich diesen Ausdruck nicht.
Wenn ein Ausländer auf den Azoren seine wahren Vermögensverhältnisse verschweigt, seine (schwarz) Einkünfte nicht angibt und sich damit nach Außen hin auf die Stufe mit einem armen, arbeitslosen Azorianer stellt um z.B. die Arbeitslosensätze bei den Kindergartengebühren zu erhalten, dann würde ich ihn nicht mit so einem Schimpfwort titulieren, aber als nicht ganz fair seinen Gastgebern gegenüber dürfte ich es doch wohl bezeichnen.
Müllabfuhr, Wasser, Kindergärten, etc. sind alle stark bezuschusst. Es ist eben doch der azorianische Nachbar (oder die EU), die das bezahlt.
Poste doch mal Deine Kosten für Müllabfuhr, Wasser und Fernsehgebühren, dann haben alle Leser in Deutschland ordentlich was zu lachen.
Honig, Maronen und Süßkartoffeln (bei Feigen bin ich nicht im Bild) bekommst Du in Deutschland nicht billiger wenn es nicht der letzte Dreck ist.
Ich will Dich nicht angreifen, nur würde ich Dich gerne wieder etwas von Deinem Negativtripp herunterholen.
Mit freundlichen Grüßen
Ze