Die Azorianer brauchen Touristen

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hjh
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Die Azorianer brauchen Touristen

Beitrag von hjh » 17.02.2012, 11:42

Da stehen sie vor ihrer kleinen, schlichten Bar. Einfache Leute, oft ungelernt, manchmal mit vier Jahren Schulbesuch noch nicht einmal im Besitz einer richtigen Grundausbildung. Und langweilen sich. 18.000 Azorianer sind jetzt arbeitslos, 7.000 kamen im vergangenen Jahr dazu. Über 15 % der Arbeitswilligen, mehr als auf dem Festland.

Die Bauwirtschaft liegt danieder, die Firmen schleppen sich so über die Runden. Viele mussten schon ihre Arbeit einstellen, meldeten gar Konkurs an. Portugal leidet, und mit dem Mutterland auf dem „Kontinent“ auch die Azoren.
Auch Staat und Kommunen können ihren Verpflichtungen kaum noch nachkommen. Das erste Jahrzehnt des neuen Jahrtausends, in dem man ein großes Projekt nach dem andern stemmte und damit Schulden aufhäufte, ist vorbei. Viele Projekte wurden zunächst einmal gestrichen; etwa der Busbahnhof oder das Museum für Moderne Kunst von Oscar Niemeyer. So wird etwa das schon historische, überbelegte Gefängnis in Ponta Delgada nicht durch einen Neubau ersetzt, sondern nochmals renoviert. Die Straßenbeleuchtung wurde reduziert. In den armen ländlichen Gemeinden, die am Tropf der Câmara hängen, tut sich fast nichts mehr. Weihnachtsgelder konnten nicht mehr gezahlt werden, zugesagte Zuschüsse lassen auf sich warten. Stillstand. Rezession.
Auch der Tourismus ist rückläufig. Viele der großen Hotels haben in den Wintermonaten geschlossen, andere sind fast leer, wieder andere stehen seit Jahren unfertig da. Etwa das große Casino-Hotel am Hafen von Ponta Delgada oder das Spa-Hotel in Furnas, das große VIP-Hotel musste Konkurs anmelden, nachdem es längere Zeit von deutschen Discounter-Reisen gelebt hatte, aber wohl nicht kostendeckend.

Da tut es gut, wenn jetzt erstmals auch eine niederländische Chartergesellschaft, die Arkefly, Ponta Delgada regelmäßig anfliegen wird und Touristen bringt. Auch mehr Kreuzfahrtschiffe als im Vorjahr werden die Azoreninseln anlaufen. Aber deren Gäste lassen bei ihrer kurzen Stippvisite fast kein Geld da.

Die Inseln sind von Touristen noch nicht überschwemmt, allenfalls in der Hochsaison des Sommers spürt man sie. Aber sie tragen doch beachtlich, direkt und indirekt, zum bescheidenen Wohlstand der Azorianer bei. Auf 450 € wurde der monatliche Mindestlohn gekürzt. Könnten Sie davon leben? Auf den Azoren verdienen 30.000 Beschäftige weniger als 600 € im Monat.

Unterstützen Sie die (von Ausnahmen abgesehen) bescheiden lebende Inselbevölkerung, nicht mit Spenden, nein mit ihrem Besuch. Und ich verspreche Ihnen: Es wird ein eindrucksvoller, unvergesslich schöner Urlaub.
hjh

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